Familie wird wieder wichtiger

Familie wird wieder wichtigerWeißwasser/O.L. / Běła Woda, 18. Mai 2022. Von Thomas Beier. Die Preise für Lebensmittel und Energie sind hoch wie nie, die Kosten der Arbeit steigen – und nach und nach schlagen die enormen Preissteigerungen auf wohl alle Branchen durch. Wie verändert sich dadurch das Leben gerade in ländlich geprägten Regionen? Sicher scheint: Altersvorsorge umfasst mehr als die finanzielle Absicherung für die Zeit der Rente, die künftig wohl immer bescheidener ausfallen wird.

Abb.: Wenn die jungen Leute, vor allem die gut ausgebildeten, wegziehen oder nach dem Studium nicht mehr zurückkommen, altert die Stadtgesellschaft schneller als der Durchschnitt des Landes. Auch unter diesem Aspekt müssen junge Erwachsene heute an ihr Alter denken und sich darauf einrichten

Symbolfoto: Mabel Amber, Pixabay License

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Die fetten Jahre scheinen wirklich vorüber

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Der Wohlstand der letzten Jahrzehnte, den sehr viele genießen konnten, hat zu Erscheinungen geführt, die nun wieder hinterfragt werden müssen. Hintergrund ist eine erwartete anhaltende "negative Wohlstandsentwicklung". In einem am 18. Mai 2022 auf merkur.de veröffentlichten Interview prophezeit der Wirtschaftswissenschaftler Hans-Werner Sinn, der Staat werde seine Aufgaben in der Sozialpolitik nicht mehr erfüllen können, siehe die Botschaft an die Bürger im letzten Absatz.

Liest man das gesamte Interview, wird klar: Vorsorge als Teil der Lebensplanung muss mehr denn je in die eigenen Hände genommen und privat geleistet werden. Das Gute am Schlechten: In Kommunen wie rund um Weißwasser stehen die Chancen dafür gar nicht so schlecht.

Lebensplanung kann nur beschränkt funktionieren

Gedanken machen müssen sich vor allem die heute Jüngeren, die sich gern eine gute Lebensperspektive ausmalen möchten, aber zur Kenntnis nehmen müssen, dass man länger als fünf Jahre nur Weniges planen kann und, so sagt die Zukunftsforschung, nach spätestens 15 Jahren der große Nebel einsetzt, in dem sich die fernere Zukunft verhüllt.

Andererseits kann man nur als junger Mensch die Grundlagen für sein Alter schaffen, sonst ist es schnell zu spät – dann ist das Alter da und die jugendliche Leistungsfähigkeit weg.

Was man tun kann

Was also kann man tun, um sich den sich womöglich verschlechternden oder zumindest unsicherer werdenden Rahmenbedingungen möglichst weitgehend zu entziehen? Natürlich immer vorausgesetzt, man hat die Möglichkeiten dazu oder kann diese schaffen. Nicht jeder kann in einer Region wie Weißwasser eine eigene Geschäftsidee realisieren, aber im privaten Bereich tun sich dennoch Möglichkeiten auf:


    • Lebensmittel selbst anbauen. Ein stabiles Gewächshaus und ein Kartoffelbeet helfen bei der preiswerten Versorgung mit gesunden Früchten. Wer gewohnt ist, seine Freizeit anders zu nutzen, muss sich umstellen – oder man organisiert den Nutzgarten innerhalb der Familie und Verwandtschaft.

    • Familie: In den letzten Jahrzehnten musste niemand mehr heiraten, um versorgt zu sein, und auch bei der Wahl des Wohnsitzes war man unabhängig. Künftig wird es wieder wichtiger sein, dass die Generationen einer Familie nah beieinander leben, um sich gegenseitig helfen zu können. Großeltern leben bei ihren Kindern, um bei der Kinderbetreuung und im Garten zu helfen und im Gegenzug Unterstützung bis zur Pflege zu erfahren. Das ist nichts Neues, sondern war früher selbstverständlich.

    • Die gegenseitige Unterstützung im Familienverband funktioniert freilich nur, wenn die Familien Kinder großziehen, nicht nur eines oder zwei, sondern mindestens drei oder vier. Das sichert nicht nur die Reproduktion der Gesellschaft, sondern Kinder werden wieder mehr zu einem Teil der Altersvorsorge – als Rentenbeitragszahler für alle und als zuerst zuständige Helfer für ihre Vorfahren.

Von Altersvorsorge ist allenthalben die Rede, gemeint sind jedoch fast immer nur finanzielle Aspekte. Hinzu kommt, dass sich viele nicht mit dem eigenen Alter, das unweigerlich kommt, auseinandersetzen wollen, dafür aber Stereotype über Alte und “die Rentner” pflegen. Junge Leute können sich kaum vorstellen, wie es sein wird, wenn sie selbst einmal alt sind. Kurz gesagt, ist das Lebensgefühl dann durchaus noch jugendlich, aber der Körper meldet sich immer öfter zu Wort.

Ein Trio besingt, wie es im Alter sein wird

Ein schönes Bild davon liefert "reenes Pech", eine Band, die in Oberlausitzer Mundart singt, mit Ihrem Song “Wenn de über di 30 bist”, in dem es um die dann einsetzenden Gebrechen geht. Reinhören kann man in das Lied hier auf kurtl.net. Weitere Varianten des Titels beschäftigen sich übrigens mit der Zeit, wenn man über die 40, 50 oder 60 ist. Die Lieder sind im CD-Doppelalbum “Kroaft unser Woassersuppe” und “Noachschlag” samst einem feinen Booklet mit den Texten enthalten, erhältlich im “Ploattn-Loadn” auf bluestonemusic.de.

Beim Bauen oder Sanieren daran denken

Zurück zum Ernst des Lebens: Wer heutzutage Haus und Grundstück hat, kann angesichts der Preisentwicklungen von Glück reden. Wer neu baut oder grundlegend saniert, sollte nicht nur energetisch – Stichworte sind Wärmedämmung und das in seiner Stromversorgung autarke Haus – zukunftssicher bauen.Auch dazu einige Tipps:


    • Möglichst barrierefrei bauen. Ein Eingang zu ebener Erde bedeutet allerdings, entweder auf einen Keller zu verzichten oder diesen tiefer – und damit teurer – zu bauen.

    • Lässt sich das Wohnen auf mehreren Etagen nicht vermeiden, bei der Konzeption von Treppen an die Möglichkeit denken, später einen Treppenlift einbauen zu können.

    • Kinderzimmer so konzipieren, dass sie als separate Einliegerwohnung genutzt werden können – womöglich zieht man im Alter selbst ein, während die Kinder das Haus übernehmen, oder man erzielt Einnahmen als Vermieter.

Resümee

Auch wenn es vielen heutzutage fremd erscheinen mag: Das Bild der Familiensippe, die auf einem größeren Anwesen gemeinsam lebt, könnte sich wieder als ganz praktisch erweisen. Viele Oberlausitzer allerdings, die jetzt Rentner sind oder vorm Rentenalter stehen, sehen Kinder und Enkel meist nur auf dem Bildschirm, weil diese weggezogen sind und oft gar nicht die Absicht haben, jemals zurückzukehren. In diesem Fall allerdings sollten sie noch einmal darüber nachdenken.

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  • Quelle: Thomas Beier | Foto: Mabel Amber, Pixabay License
  • Erstellt am 18.05.2022 - 17:08Uhr | Zuletzt geändert am 29.06.2022 - 13:48Uhr
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