Bündnisgrüne mit neuem Vorstand

Bündnisgrüne mit neuem VorstandWeißwasser / Běła Woda, 27. Januar 2020. Wenn der Geist der Friedlichen Revolution von 1989 in einer Partei weiterweht, dann bei Bündnis'90/Die Grünen. Zur Erinnerung: Unter Bündnis 90 hatten sich 1990 Bürgerbewegungen und Oppositionsgruppen der "DDR" zusammengeschlossen. Allerdings kommen die Revoltionäre so langsam in die Jahre, das ist es gut, wenn der Kopf verjüngt wird.

Von links, jedenfalls im Bild: Julian Peters, Sebastian Jachmann und Karsten Herden

Foto: Annett Jagiela

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Mehr als Ökohippies: Bündnisgrüne Regionalgruppe Muskauer Heide

"Wir wollen in Weißwasser und Umgebung mitgestalten, Vorhandenes stärken und da verändern, wo Veränderung nötig ist. Getreu dem Motto: Gemeinsam, ökologisch, sozial gerecht", sagt der am Freitag, dem 24. Januar 2020, gewählte Sprecher der Regionalgruppe Muskauer Heide der Bündnisgrünen, Sebastian Jachmann (37). Es sei eine herausfordernde Zeit in der Lausitz: "Wir wollen wieder aktiv dabei sein und Menschen motivieren, mitzumachen. Als Grüne haben wir in unserer Region keinen besonders guten Stand. Dabei sind wir mehr als nur ein paar Ökohippies."

Jachmann, wie auch seine beiden Mitstreiter, ist gebürtiger Lausitzer und lebt seit sieben Jahren in Weißwasser. Politisch engagiert er sich ehrenamtlich, seinen Lebensunterhalt verdient er als Lehrer in einer Förderschule. "Ich habe viel mit Familien und deren Missständen zu tun. Das bewegt mich immer wieder, so dass ich mehr tun möchte, als Kinder unterrichten und sie dann wieder ihrem Alltag zu überlassen." Jachmann möchte, dass sein Schüler Perspektive in der Lausitz haben.

Im neuen Vorstand sind neben Jachmann aber auch noch zwei weitere Mitgestalter dabei: Karsten Herden (40) leitet als Hauswirtschaftlicher Betriebsleiter in einer Pflegeeinrichtung auf Trägerebene den Versorgungsbereich. Das Ernährungsmanagement führt er mit grüner Handschrift. Karsten Herden kennt sich aus mit Veränderungen. Vor zwei Jahren wurde ihm der Staffelstab als Generationennachfolge übergeben. Herden: "Mir ist es äußerst wichtig, dass die Bewohner unserer Einrichtungen ein gesundes und wohlschmeckendes Essen bekommen. Das beginnt bei frisch zubereiteten und ökologisch produzierten, möglichst regionalen Lebensmitteln." Dritter im neu gewählten Vorstand ist Julian Peters (22). Der Industriekaufmann absolviert neben seinem Job an der Abendschule sein Abitur, um danach Lehramt zu studieren. Grüne Themen haben ihn schon immer interessiert. Seine Motivation zum politischem Engagement beschreibt er so: "Nur meckern hilft nicht. Ich möchte aktiv etwas verändern. Da lag der Weg in die Politik am nächsten. Themen wie gesunde Wälder, eine nachhaltige Wirtschaft aber auch Veränderungen im Bildungssystem interessieren mich sehr."

Als neu gewählter Vorstand wolle man sich nun neu finden, wobei das einstehen für Basisdemokratie, Freiheit und eine offene Gesellschaft die Grundlage der Arbeit bleibt. Offen ist noch, welche Projekte demnächst konkret angegangen werden sollen: "Wir haben so viele Ideen und Dinge auf dem Herzen. Da heißt es erst einmal, Prioritäten setzen." Auf die Frage, warum es keine Frauen im Vorstand gibt, antwortet Jachmann: "Wir hatten schlichtweg keine Bewerberinnen. Aber aufgrund des Frauenstatuts haben wir die drei Plätze – Sprecherin und zwei Beisitzerinnen – frei gelassen und würden sie gern jederzeit besetzen."

Wer hat Angst vorm grünen Mann?
Wer den neuen Vorstand oder weitere Mitglieder der Bündnisgrünen der Regionalgruppe Muskauer Heide kennen lernen möchte, kann dies beispielsweise beim monatlichen Stammtisch, der an jedem ersten Freitag im Monat in einem Lokal in Weißwasser oder Umgebung stattfindet.

Stammtisch!
Freitag, 7. Februar 2020, 19 Uhr,
English Pub, Lausitzer Straße 2, 02943 Weißwasser/O.L.

Mehr Grün!
Kreisverband Görlitz und Kontaktinformationen


Kommentar:

"In der Region keinen guten Stand" – dabei haben die Bündnisgrünen in den Städten und Ballungszentren enormen Zulauf, ein Vorzeigeländle hat sogar einen bündnisgrünen Ministerpräsidenten und auch in Sachsen und Thüringen wird mitregiert.

Eine Ursache für den schweren Stand der Bündnisgrünen im ländlichen Raum mag der zutiefst menschliche Unwille gegenüber Veränderungen sein. Der existiert in den größeren Städten sicherlich ebenso, doch hier erkennen die Menschen viel deutlicher: So kann es nicht weitergehen in Bezug auf Nachhaltigkeit und Lebensmittel, die diese Bezeichnung verdienen sollen.

Wie festgefahren die Ansichten in den Dörfern sind, zeigt ein Schild am Ackerrand an einer Lausitzer Landstraße: "Sie säen nicht, sie ernten nicht und doch wissen sie alles besser!" – ein Aufschrei der Verzweiflung, weil es ein "Weiter so!" in der Intensivlandwirtschaft nicht geben kann. Von belasteten Lebensmitteln über das Artensterben bis hin zur Klimagasfreisetzung durch Kunstdünger werden die Menschen beunruhigt und dabei kommt es überhaupt nicht darauf an, ob man nun Landwirtschaftsexperte ist oder nicht.

Die konventionelle Landwirtschaft beklagt zu geringe Preise und intensiviert deshalb immer stärker, steigen aber die Preise, wird sofort in neue Kapazitäten investiert. Ähnlich dem Strukturwandel in der Wirtschaft, wie er immer wieder durch neue Technologien ausgelöst wird, bedarf auch die Landwirtschaft eines erneuten Wandels, eines Wandels der zugleich die bäuerlichen Betriebe und Höfe stärkt. Ackerbau, Fleischproduktion (welch furchtbares Wort), Milchviehhaltung, Schweinemast, Geflügelaufzucht und Massentierhaltung überhaupt gehören auf den Prüfstand – und zwar von Experten, nicht den der Lobbyisten und Verbandswürdenträger.

Eine Problemlösung in diesem höchst komplexen Bereich kann man allerdings nicht der Landwirtschaft allein und ebenso nicht den Verbrauchern anlasten. Die jüngere Generation gibt da Hoffnung: Immer mehr orientieren sich an Nachhaltigkeit und gesunder Ernährung,

meint Ihr Thomas Beier

Kommentare Lesermeinungen (1)
Lesermeinungen geben nicht unbedingt die Auffassung der Redaktion, sondern die persönliche Auffassung der Verfasser wieder. Die Redaktion behält sich das Recht zu sinnwahrender Kürzung vor.

Gruß

Von Sebastian am 27.01.2020 - 16:19Uhr
Vielen Dank für die Veröffentlichung und den Kommentar :)

Viele Grüße im Namen des Vorstandsteams

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  • Quelle: red | Foto: Annett Jagiela
  • Erstellt am 27.01.2020 - 11:17Uhr | Zuletzt geändert am 27.01.2020 - 18:34Uhr
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