Fructoseintoleranz – ein Schicksal?

Fructoseintoleranz – ein Schicksal?Weißwasser / Běła Woda, 4. Dezember 2020. Fructoseintoleranz ist eine angeborene Genmutation, etwa ein Drittel aller Deutschen leiden unter dieser Nahrungsmittel-Intoleranz. Wer darunter leidet, dessen Körper ist nicht in der Lage, Fruchtzucker durch ein bestimmtes Leberenzym abzubauen. Schon bei Babys oder Kleinkindern kann es durch den Verzehr von Fructose zu Magen-Darm-Trakt Störungen kommen oder zu einem zu geringen Blutzuckerspiegel sowie Leberfunktionsstörungen. Das Enzym trägt den Namen "Aldolase B", es kommt hauptsächlich in der Leber vor und ist für die Umwandlung von Fructose in Blutzucker zuständig. So wird aus der Fructose Energie für den Körper gewonnen. DieFructoseintoleranz ist zu unterscheiden von der häufigeren vorkommenden Fruchtzuckerunverträglichkeit, bei der Fructose zum Teil verdaut werden kann.

Abb.: Neben der Fructose, die in anderen Lebensmitteln verborgen ist, liegt sie bei Obst auf der Hand – scheinbar: Tatsächlich enthalten etwa Äpfel und Birnen, die heimische Süßkirsche und typisches Trockenobst wie Pflaumen, Rosinen oder Feigen viel Fructose. Anders ist es beispielsweise bei Avocados, Johannis-, Erd- und Himbeeren, bei der Acerolakirsche, Rhabarber und Limetten, die allesamt eher wenig Fructosegehalt haben.

Symbolfoto: silviarita, Pixabay License

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Was kann man tun, um eine Fructoseintoleranz erkennen?

Um einen Verdacht auf Fructoseintoleranz zu erhärten gibt es mehrere Möglichkeiten. Man kann etwa – als einfache Methode – einen sogenannten Provokationstest durchführen. Hierbei nimmt man auf nüchternen Magen einen Viertelliter naturtrüben Apfelsaft zu sich. Dann muss eine halbe Stunde abgewartet werden, ob sich eine Wirkung zeigt. Dabei kann es sich um plötzlichen Stuhldrang handeln, Bauchschmerzen oder Blähungen. Tritt dies ein, so kann das schon ein erster Hinweis auf eine Intoleranz sein.

Treten Beschwerden auf, die auf eine Fructoseintoleranz hindeuten, empfiehlt es sich, ein Ernährungstagebuch anzulegen. In diesem Tagebuch werden alle Speisen und Getränke mit der Uhrzeit ihrer Einnahme sowie etwaige eingetretene Beschwerden penibel eingetragen. Hierdurch erlangt der Betroffene eine Übersicht über seine individuellen Verträglichkeiten und Unverträglichkeiten von Nahrungsmitteln.

Wer bietet Unterstützung und wer kann helfen?

Besteht der Verdacht auf eine Fructoseintoleranz, sollte ein Arzt aufgesucht oder ein Apotheker befragt werden. Ein Arzt wird in der Regel mehrere Tests am Patienten vornehmen. Oft bekommt der Betroffene 25 Gramm Fructose in einer speziellen Fructose-Lösung zu trinken. Im Anschluss daran stellt der Arzt etwaige Beschwerden des Patienten fest und erstellt daraus eine Diagnose. Ein H2-Atemtest (Wasserstoff-Atemtest) ist eine weitere Möglichkeit, auf eine Intoleranz zu testen. Allerdings wird diese Methode von Medizinern kontrovers diskutiert.

Viele der Betroffenen nehmen den Dienst eines professionellen Ernährungsberaters in Anspruch. Gut ausgebildete Ernährungsberater – nicht zu verwechseln mit Vertretern für Nahrungsergänzungsmittel – können helfen, Ernährungsumstellungen optimal auf die Erkrankung abzustimmen. Zu beachten bei der Fructoseintoleranz sind jedoch stets die gesamten Lebensumstände. Die typischen Symptome führen oft zum Abbruch sozialer Kontakte, das wiederum erzeugt neue Stresssituationen, die sich womöglich wiederum verstärkend negativ auswirken.

Wer sich unsicher ist, wer der beste Ansprechpartner sein könnte, kann sich an die Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD) wenden. Das ist ein gemeinnütziger Verein, der mit einem Beratungsmobil auch nach Cottbus und Görlitz kommt und Patienten kostenfrei berät.

Ist eine Fructoseintoleranz heilbar?

Um diese Frage zu beantworten, muss man feststellen lassen, um welche Form von Fructoseintoleranz es sich handelt. Allerdings: So ganz pauschal kann die Frage nach der Heilbarkeit auch dann nicht beantwortet werden. Es muss unterschieden werden zwischen den unterschiedlichen Formen dieser Erkrankung. Die seltene hereditäre (erbliche) Fructoseintoleranz (HFI) erfordert von den Betroffenen eine strenge und lebenslange Diät. Liegt jedoch eine Fructoseintoleranz in Form der Fructosemalabsorption (FM) – auch intestinale Fructoseintoranz genannt – vor, so kann unter bestimmten Bedingungen Symptomfreiheit erreicht werden.

Zwar muss man in beiden Fällen eine gewisse Wachsamkeit in Bezug auf seine Ernährung an den Tag legen, aber im letzteren Falle kann sich beispielsweise das Wegfallen von Stressfaktoren wie Beziehungs- oder Arbeitsstress positiv auswirken, hingegen können etwa ein Umzug, unsichere Verhältnisse oder psychische Probleme auf Magen und Darm schlagen. Nicht ohne Grund sprechen Hirnforscher vom Darmhirn, einem evolutionsbiologisch sehr alten Hirn. Erst wenn die Rahmenbedingungen wieder stimmen oder der negative Stress – gegebenenfalls auch mit Hilfe bestimmter Techniken – reduziert wurde und sich die Verdauungsorgane wieder erholen, kann sich Besserung einstellen.

Bei schlimmen Rückfällen oder nach einer langen Zeit ohne ein Zeichen der Besserung verlieren Betroffene vielleicht den Glauben oder die Hoffnung. Aber mit Geduld und Durchhaltevermögen ist bei der Fructosemalabsorption eine Besserung tatsächlich möglich. Hilfreiche Informationen gibt es unter anderem bei einer HFI-Selbsthilfegruppe, die auch zur FM informiert.

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  • Quelle: red | Foto: Silvia / silviarita, Pixabay License
  • Erstellt am 04.12.2020 - 13:25Uhr | Zuletzt geändert am 04.12.2020 - 14:38Uhr
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