Waggonbau Niesky im Ganzen verkauft

Waggonbau Niesky im Ganzen verkauftNiesky | Dresden, 18. September 2018. Die Verträge sind unterschrieben und beurkundet: der Waggonbau Niesky (WBN) geht als Ganzes an den slowakischen Waggonbauer Tatravagónka aus Deutschendorf (Poprad). "Ein wichtiges Ergebnis unserer Arbeit der vergangenen Monate ist der Erhalt aller rund 300 Arbeitsplätze", betonte Insolvenzverwalter Dr. Jürgen Wallner am Montag, dem 10. September 2018. Auch aufgrund der erfolgreichen Verhandlungen mit der IG Metall, vertreten durch Jan Otto, und dem Betriebsrat könne man diese gute Nachricht an die Beschäftigten übermitteln.
Foto: In der Innenstadt von Niesky

Käufer Tatravagónka ist starker Marktteilnehmer

Ein weiterer wichtiger Partner in den Verhandlungen war die Insolvenzverwalterin der WBN Zwischenholding GmbH, Bettina Schmudde von der Kanzlei White & Case. Die Besitzgesellschaft ist Eigentümerin des Betriebsgrundstücks in Niesky, weshalb ein Erhalt der WBN in der bisherigen Form nur gemeinsam mit Schmudde ermöglicht werden konnte. "Mit unseren jetzt abgeschlossenen Verhandlungen haben wir es geschafft, die WBN als Ganzes zu erhalten. Dies ist auch für die betroffenen Gläubiger die sinnvollste Lösung", erläuterte sie.

Die internationale Wirtschaftskanzlei Taylor Wessing hat unter der Federführung des Hamburger Partners Dr. Martin Heidrich beide Verkäufer rechtlich begleitet. "Wir sind sehr zufrieden, dass wir mit der Beratung der Verkäufer zu einem erfolgreichen Verlauf der Transaktion beitragen konnten", so Dr. Heidrich. Gesteuert wurde der Verkaufsprozess von Timo Klees und seinem Team von der KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft. Der ist sich sicher: "Nur aufgrund der Zusammenarbeit sämtlicher Beteiligter konnte der Verkauf der WBN gelingen." Einziger Vorbehalt für den erfolgreichen Verkauf: Abzuwarten ist die Fusionskontrollfreigabe durch das Kartellamt. Es besteht Hoffnung, dass diese in einigen Monaten vorliegen wird.

Zukünftig wird WBN ein Teil des Konzerns Tatravagónka, der auf eine fast hundertjährige Geschichte bei der Herstellung von Güterwagen zurückblicken kann. Während dieser Zeit wurden mehr als 130.000 Güterwagen in fast hundert Konstruktionsausführungen hergestellt, was einer Zuglänge von rund 6.500 Kilometern entspricht. Hinzu kommen fast 400.000 Drehgestelle. Gründer des Unternehmens war die Familie Halath, die im Jahre 1922 einen Auftrag zur Reparatur der Güterwagen für die Tschechoslowakischen Eisenbahnen erhielt. 1946 begann die eigentliche Produktion von Güterwagen.

Erfolgreiches Insolvenzverfahren

Nachdem Anfang März 2018 ein Großauftrag über den Neubau von 160 Schüttgutwaggons über einen niedrigen zweistelligen Millionenbetrag zwischen der K+S AG und dem Waggonbau Niesky (WBN) gezeichnet werden konnte, gelang es dem Insolvenzverwalter Dr. Jürgen Wallner, einen weiteren Vertrag mit einem Logistiker über den Neubau von 149 Autotransportwaggons mit einem Gesamtvolumen von mehr als 23 Millionen Euro abzuschließen. Darüber hinaus konnten weitere kleinere Aufträge mit einem Gesamtvolumen in Höhe von etwa 11 Millionen Euro gesichert werden, deren Erfüllung nach der Insolvenzantragstellung zunächst gefährdet war. Die Produktion in Niesky lief trotz Insolvenz bei guter Auslastung mit 300 Arbeitsplätzen weiter.

Bis Ende März 2018 lagen dem Insolvenzverwalter insgesamt 13 unverbindliche Angebote von potenziellen Investoren vor. Diese wurden ausgewertet, geprüft und mit dem Gläubigerausschuss abgestimmt. Unter den Interessenten befanden sich sowohl strategische Investoren aus dem In- und Ausland als auch Finanzinvestoren. "Mit Tatravagónka haben wir einen aus unserer Sicht optimalen Käufer für den Waggonbau Niesky ausgewählt", so Insolvenzverwalter Dr. Wallner, der zum Kanzleiverbund WallnerWeiß gehört.

Kanzleiverbund WallnerWeiß

Der Verbund gehört zu den führenden Kanzleien Deutschlands auf dem Gebiet der Sanierungs- und Restrukturierungsberatung sowie der Insolvenzverwaltung. Er fasst die Gesellschaften für Insolvenzverwaltung, die wwp Rechtsanwälte-Partnerschaft mbB sowie die wwp Unternehmensberatung zusammen und ist auf die Beratung und Betreuung von Industrieunternehmen in Sondersituationen spezialisiert. Eine besondere Stärke sei nach eigener Darstellung der interdisziplinäre und ganzheitliche Ansatz: Durch die enge Zusammenarbeit von Rechtsanwälten, Unternehmens-, Restrukturierungs- und Sanierungsberatern sowie Insolvenzverwaltern ist es möglich, komplexe Sanierungs­sachverhalte zu bewältigen und Problemfelder schnellstmöglich zu erfassen sowie im Interesse der Mandantschaft kostenoptimiert der bestmöglichen Lösung zuzuführen. Die Gründungsgesellschafter Dr. Jürgen Wallner und Rüdiger Weiß formten den Kanzlei­verbund in 15 Jahren zu einem modernen und flexiblen Dienstleister für Restrukturierung- und Sanierungsberatung an bundesweit 16 Standorten.

White & Case

White & Case ist eine der führenden internationalen Anwaltssozietäten und in den entscheidenden wirtschaftlichen Zentren der Welt an 42 Standorten in 30 Ländern präsent. In Deutschland sind rund 200 Rechtsanwälte, Steuerberater und Notare in Berlin, Düsseldorf, Frankfurt am Main und Hamburg für die Sozietät tätig. Seit mehr als 30 Jahren verfügt die Kanzlei über eine der angesehensten Insolvenz- und Restrukturierungspraxen in Deutschland. Bettina Schmudde gilt als sehr erfahrene Restrukturierungs- und Sanierungsexpertin und wird regelmäßig mit komplexen nationalen und internationalen Sanierungsfällen betraut. Sie gehört zu den anerkanntesten Insolvenzverwaltern in Deutschland und wird häufig bei schwierigen Verfahren bestellt, so zum Beispiel in jüngerer Vergangenheit bei German Pellets oder der Starz-Gruppe. White & Case Partnerin Bettina Schmudde wurde unterstützt von Associate Nicolas Rebel.

Taylor Wessing

Taylor Wessing ist ein internationaler Verbund von Rechtsanwaltskanzleien mit über 1.100 Anwälten an 32 Standorten in Europa, dem Mittleren Osten und Asien sowie zwei Repräsentanzbüros in den USA. Insbesondere an den Standorten Hamburg, Düsseldorf und München berät Taylor Wessing als eine der führenden Kanzleien Deutschlands Mandanten in den Bereichen Distressed M&A, Restrukturierung und Insolvenzrecht. Dr. Martin Heidrich, Fachanwalt für Insolvenzrecht, berät Mandanten im Zusammenhang mit Unternehmens-restrukturierungen und im insolvenznahen Bereich. Ein besonderer Schwerpunkt seiner Beratungstätigkeit ist die Begleitung von Unternehmen oder Gesellschaftern in Schutzschirm-, Eigenverwaltungs- und Insolvenzplanverfahren. Hierbei kann Martin Heidrich seine langjährigen Erfahrungen als bestellter Insolvenzverwalter im Bereich der Betriebsfortführung und Sanierung einbringen. Des Weiteren werden Investoren und Insolvenzverwalter von Martin Heidrich bei Unternehmenskäufen aus der Insolvenz oder Krise betreut. Weitere rechtliche Berater im vorliegenden Fall waren: Marco Hartmann-Rüppel (Kartellrecht), Dr. Jan Kern (Arbeitsrecht), Timo Stellpflug (Handels- und Vertragsrecht), Dr. Alexander Senninger (M&A/Restrukturierung), Dr. Jan Riebeling (M&A/Grundstücksrecht), Bernhard Kloft (M&A) und Dr. Daniel Graske (Grundstücksrecht), alle Taylor Wessing Hamburg.

Last not least: Waggonbau Niesky

Auf einer Produktionsfläche von etwa 37.000 Quadratmetern entwickeln und fertigen rund 300 hochqualifizierte und erfahrene Mitarbeiter Güterwagen für Spezialanwendungen und den Logistikbereich auf der Schiene sowie Rohbauten aus Aluminium und Stahl für den Personenverkehr. Ergänzt wird das Portfolio durch Komponenten für die Schienenfahrzeugindustrie, wie beispielsweise innovative, lärmarme und instandhaltungsfreundliche Drehgestelle oder Baugruppen in Stahl, Edelstahl- oder Aluminiumausführung. Obwohl gut ausgelastet, drohte Ende 2017 die Zahlungsunfähigkeit des Lausitzer Traditionsbetriebs aufgrund gestiegener Kosten bei wichtigen Aufträgen, so dass der neue Geschäftsführer Eduard Janßen am 27. Dezember 2017 den Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beim Amtsgericht Dresden stellte.

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