Mehr Mobilität im Wirtschaftsraum Spreewald

Mehr Mobilität  im Wirtschaftsraum SpreewaldLübben / Lubin (Błota), 31. Mai 2018. Von Jeannine Schadel. Die Wirtschaftsregion Lausitz GmbH hatte gestern nach Lübben ins Landratsamt Dahme-Spreewald zur Abschlusspräsentation der ersten Phase des Modellvorhabens "Lebendige Regionen – Aktive Regionalentwicklung als Zukunftsaufgabe: Mobilitätsmanagement Wirtschaftsraum Spreewald" geladen.

Innovative Ansätze zur Verbesserung der Mobilität im Wirtschaftsraum Spreewald erarbeitet

Einen kurzen Projektabriss gab Norman Müller, Geschäftsführer der Wirtschaftsregion Lausitz GmbH, den rund 50 Teilnehmern. Hauptziel des Projektes ist es, unter Berücksichtigung des besonderen Schutzes der Naturlandschaft Spreewald, innovative Ansätze auszuarbeiten, die nachhaltig die Verkehrssituation verbessern. Regionale Akteure haben sich im Projekt zu mehreren Arbeitskreisen zusammengeschlossen. Im Lenkungskreis arbeiten unter der Leitung der Wirtschaftsregion Lausitz GmbH Vertreter aus den Landkreisen Dahme-Spreewald, Oberspreewald-Lausitz und Spree-Neiße, die Stadt Cottbus, der Tourismusverband Spreewald, der Spreewaldverein, das Biosphärenreservates Spreewald sowie die Regionale Planungsgemeinschaft Lausitz-Spreewald. Neben der Analyse und Bewertung vorhandener regionaler Konzepte sowie der derzeitigen Versorgungs- und Mobilitätsangebote gab es einen breiten Dialog mit den Kommunen, Bürgern und Experten.

"Die Notwendigkeit der Verbesserung des öffentlichen Nahverkehrs im Wirtschaftsraum Spreewald ist die zentrale Erkenntnis der ersten Projektphase", sagte Müller. "Mit der Einführung einer Gästecard zahlt jeder Übernachtungsgast der Region zukünftig einen Umlagebeitrag und kann damit den ÖPNV kostenfrei nutzen. Die damit generierten zusätzlichen Einnahmen wären ein wichtiger Beitrag, um Qualitätsverbesserungen im Nahverkehr zu finanzieren."

Christoph Gipp leitet als Geschäftsführer den Bereich Mobilität am IGES Institut, welches das Projekt als fachlicher Partner betreut. In seinen Ausführungen stellte er die Gästekarte und weitere verkehrliche Verbesserungspotenziale vor. Einen intensiven Erfahrungsaustausch zur Gästekarte gab es im Mai 2017 im Schwarzwald bei den Betreibern der sogenannten KONUS-Card. Um eine solche Karte auch im Spreewald einzuführen, bedarf es die Änderung des brandenburgischen Kommunalabgabengesetzes. Eine entsprechende Initiative ist dank der Unterstützung vieler Akteure auf den Weg gebracht und befindet sich derzeit in der zweiten Abstimmungsphase auf Landesebene.

Auch punktuelle Maßnahmen im ÖPNV und die Vermarktung von Verkehrsangeboten können entscheidend für den Erfolg im öffentlichen Nahverkehr beitragen. Im nördlichen Bereich der Modellregion sind derzeit schon konkrete Umsetzungsmaßnahmen in der Diskussion.

Als weitere Maßnahme hat die Brandenburgische Technische Universität (BTU) Cottbus-Senftenberg Vorschläge zur Gestaltung von Mobilitätsstationen in den Gemeinden Burg, Calau und Vetschau erarbeitet. Jason-Caron Schejno, wissenschaftlicher Mitarbeiter der BTU zeigte auf, wie die Themen Carsharing und Elektromobilität mit verschiedenen Verkehrsmitteln an den Standorten eingebunden werden können. Die Ausgestaltung der Mobilitätshubs sollen den landkreisübergreifenden ÖPNV mit bedarfsgerechten und alternativen Angeboten verbessern. Die Mobilitätshubs sind für vergleichbare ländliche Regionen ebenfalls umsetzbar. Da in den studentischen Entwürfen charakteristische Elemente für die Räume erarbeitet wurden, können diese auf eine Vielzahl an Standorten übertragen werden.

Das Projekt wird von Beginn an von der finanzwissenschaftlichen Begleitforschung und der Forschungsassistenz unterstützt. Bei der Ansprache der Kämmerer wurde der regionale finanzielle Handlungsspielraum aufgezeigt und in Form von Planspielen ausgetestet. Tim Starke von der Universität Leipzig legte die Auswertung der finanzwissenschaftlichen Begleitforschung unter besonderer Beachtung der Entwicklung in der Modellregion dar.

Vera Moosmayer vom Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat zeigt in ihrem Impulsreferat auf, wie die Ergebnisse der Modellregion Wirtschaftsraum Spreewald aus Sicht des BMI einzuschätzen sind. Knapp zwei Jahre nach Projektbeginn ziehen die beteiligten regionalen Akteure eine positive Bilanz. In einer abschließenden Podiumsdiskussion wurde der Wert der bisherigen Ergebnisse für die Region Spreewald, aber auch für andere Regionen diskutiert.

Die Erwartungen an eine zweite Projektphase sind groß. "Wir möchten die Erkenntnisse aus der 1. Phase des MORO-Projektes nun praktisch umsetzen", so Müller. "Die Einführung einer Gästecard/Spreewaldcard und Maßnahmen zur Verbesserung der Fachkräfte- und Auszubildendenmobilität gilt es nun weiter voran zu bringen."

Mit dem Forschungsfeld "Lebendige Regionen" gehen das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) und das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) der Frage nach, wie eine ganzheitliche und auf künftige Herausforderungen fokussierte Regionalentwicklung gelingen kann. Seit Mitte 2016 werden insgesamt 12 Modellvorhaben im Forschungsfeld "Lebendige Regionen" gefördert. Die ausgewählten Modellvorhaben durchlaufen bis Ende Juli 2018 die erste zweijährige Förderphase. Je nach Ausgangssituation wird diese Projektphase dazu genutzt, entweder eine integrierte Strategie, ein Konzept oder bereits realisierungsfähige Projekte zu entwickeln.

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  • Quelle: Jeannine Schadel | Bildquelle: Wirtschaftsregion Lausitz GmbH
  • Zuletzt geändert am 31.05.2018 - 00:12 Uhr
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