Die Kosten der Gesundheit

Die Kosten der GesundheitWeißwasser/O.L. / Běła Woda, 19. Juli 2022. Von Thomas Beier. Arbeitet man als Unternehmensberater in einem Krankenhaus, dann liegt das Konfliktpotential schnell auf der Hand. Einer der ganz großen Punkte ist: Humanitäre Dienstleistung oder Gewinn machen mit Gesundheitsdienstleistungen?

Abb.: Weißwasser ist ein viel zu wenig beachtetes Städtchen im Norden des Landkreises Görlitz

Foto: © Görlitzer Anzeiger

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Ethik und Betriebswirtschaft – ein Konflikt?

Spricht man mit dem ärztlichen Direktor eine Krankenhauses, dann wird das Gewinnstreben der Einrichtung gern abgestritten. Die Arbeit am Menschen sei halt eine besondere und dem ärztlichen Ethos verpflichtet. Dumm nur, wenn Ärzte einen – ob nun real oder nur scheinbar – Unversicherten notdürftigst notbehandelt zurück auf die Straße schicken.

Das ist schon blöd, wenn wie in einem belegten Fall ein sehr gut situierter gesetzlich Versicherter nur wegen Äußerlichkeiten – im konkreten Fall lange Haare, Jeans und Pullover – und der Abwesenheit der Krankenversichertenkarte behandelt wird, als sei er asozial und der Lebenserhaltung kaum wert.

Soziale Gerechtigkeit: Muss das Umverteilung bedeuten?

In Deutschland wird gern und viel über soziale Gerechtigkeit diskutiert. Doch ist eine Umverteilung, die sich daran orientiert, höhere Einkommen zu schröpfen, um jene zu sponsern, die – warum auch immer – über ihr Einkommen nie so richtig nachgedacht haben, gerecht? Warum soll der, der sich sein Studium vom Munde abgespart hat, jene stützen, der sich der Härten des Lebens selbst nie angenommen haben?

Man muss fair bleiben bei solchen Überlegungen: Nicht jeder hat die gleichen Startbedingungen und – vor allem – nicht jeder und nicht jede ist mit der gleichen Auffassungsgabe gesegnet. Dennoch: Die Welt ist halt ungerecht und linke Gleichmacherei nicht angesagt, weil für die sogenannten Leistungsträger demotivierend. Ohne Leistungsträger wäre nichts vorhanden, was man umverteilen könnte.

Geld regiert auch die Gesundheitswelt

Fakt ist doch: Medizinische Dienstleistungen, wie sie etwa auch das Kreiskrankenhaus Weißwasser erbringt, kosten Geld. Gesellschaftlich anerkannt ist außerdem, dass Ärzte etwas mehr Geld verdienen sollten als der Durchschnitt der werktätigen Bevölkerung. Also, wo soll’s herkommen? Naheliegend ist zunächst die Solidargemeinschaft der Krankenversicherten, anschließend gleich das, was man im gesetzlichen System als IGel-Leistungen – Individuelle Gesundheitsdienstleistungen – umschreibt. Unanständig ist hingegen, dass alle Steuerzahler – auch Privatversicherte, die ohne jeden staatlichen Zuschuss auskommen müssen – das gesetzliche System aus ihrem Steueraufkommen stützen müssen.

Erfolgversprechender als alle Beitrags- und Einspardebatten ist es dort anzusetzen, wo Einsparungen niemandem wehtun. Nennenswert sind digitale Zahlungsabrechner, die zudem Patienten unkomplizierte Möglichkeiten eröffnen, auf einfache Weise unterschiedliche Services in Anspruch zu nehmen. Nur eine der Möglichkeiten ist dabei die simple Art und Weise, wie eine digitale Zahnarztrechnung eingereicht werden kann.

Quintessenz

Die Quellen für die Verbesserung von Effektivität und Effizienz und damit Kostendämpfung liegen im Gesundheitssystem selbst. Das Gute daran: Niemand muss auf den hohen Standard in Deutschland verzichten.

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  • Quelle: Thomas Beier | Foto: © Görlitzer Anzeiger
  • Erstellt am 19.07.2022 - 18:41Uhr | Zuletzt geändert am 19.07.2022 - 19:06Uhr
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