Hygiene ist die erste Bürgerpflicht!

Hygiene ist die erste Bürgerpflicht!Weißwasser/O.L. / Běła Woda, 18. März 2022. Von Thomas Beier. Vieles in der "großen Politik" ist für Otto Normalverbraucher aktuell nur schwer nachvollziehbar. Dazu gehören die angekündigten Lockerungsmaßnahmen in der Corona-Pandemie und die Diskussion um die Impfpflicht. Dabei geht es doch im Kern um recht einfache Zusammenhänge.

Abb.: Sich regelmäßig gründlich die Hände zu waschen lernt man als Kind, vergessen Erwachsene das?

Foto: ivabalk, Pixabay License

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Kommunikationsprobleme, Informationsdefizite und eine Alles-egal-Stimmung

Thema: Coronavirus

Coronavirus

Infektionen mit dem Coronavirus (SARS-CoV-2) verlaufen pandemisch. Lebensgefahr besteht bei einer Erkrankung an Covid-19 vor allem für Immungeschwächte und Ältere. Vielfältige Maßnahmen sollen die Ausbreitung verlangsamen, um medizinische Kapazitäten nicht zu überlasten sowie Zeit zur Entwicklung eines Medikamentes und eines Impfstoffs zu gewinnen. Im Blickpunkt stehen auch die Wirtschaft und soziale Auswirkungen.

Anders als etwa Dänemark, wo trotz hoher Corona-Inzidenzwerte angeblich bislang mit Erfolg Auflagen zurückgenommen wurden, hat Deutschland ein andere Ausgangslage: Es ist schlichtweg ein deutlich geringerer Teil der Bevölkerung zweifach geimpft, noch weniger sind geboostert.

Dazu hat eine – gelinde gesagt – immer wieder unglückliche Kommunikation beigetragen. Bei der Diskussion um eine einrichtungsbezogene Impfpflicht war es ein verheerendes Signal, als Lokalpolitiker sich schützend vor die Impfverweigerer stellten und damit das Signal aussendeten, es gehe auch ohne Impfung – und wer soll das, so die Meinung vieler, besser wissen als die Beschäftigten im Gesundheitssektor?

Auch die Diskussion um die Zurücknahme der Vorsichtsmaßnahmen in der Pandemie zeigt bereits Wirkung: Viele verhalten sich sorgloser denn je. Gerade im heutigen Ostdeutschland scheint sich ein Demokratiedefizit zu zeigen, denn viele können offenbar die politische Diskussion, fachliche Überlegungen und die Anforderungen an das eigene Verhalten nicht auseinanderhalten, ganz nach dem Motto: Wenn sich die Politik uneins ist, gehe ich den für mich bequemsten Weg. Zu erwarten ist ferner die Einstellung, dass das, was nun nicht mehr verboten ist, bedenkenlos gemacht werden kann, ohne über die Folgen nachzudenken.

Völlig ausgeblendet wird dabei gerade unter Impfverweigerern das Long Covid Syndrom, das geboosterte Personen kaum trifft, dafür Ungeimpfte umso öfter und schwerer.

Selbstverantwortung für sich und andere ist nichts Neues

Dabei sind die Anforderungen zur Infektionsvermeidung – die ja nicht nur gegen das Coronavirus wirken – im Alltag auf einfache Weise umzusetzen. Doch anstatt


    • Abstand zueinander zu halten,
    • verstärkt auf Hygiene zu achten,
    • in bestimmten Situationen eine medizinische Atemwegsbedeckung zu tragen und
    • auf die Lüftung zu achten

als Bestandteil einer neuen Kultur und gesellschaftliche Norm des rücksichtsvolleren Umgangs miteinander, wie sie in anderen Ländern üblich ist, zu etablieren, wurden diese Hinweise lediglich als Auflagen und Verbote kommuniziert, derer man sich möglichst schnell wieder entledigen müsse. Dabei sind doch gerade das Abstandsgebot und die Hygiene nichts Neues und galten schon vor der Corona-Pandemie, wie ein Beitrag zum Thema Grippewelle, der im November 2017 im Weißwasseraner Anzeiger erschienen ist, belegt.

Hygiene in allen Bereichen erforderlich

Das konterkariert Bemühungen für höhere Hygienestandards in anderen Bereichen. Im Krankenhausbereich etwa sind multiresistente Krankenhauskeime für Patienten eine gefürchtete Gefahr, der man ganz wesentlich durch häufigeres Händewaschen begegnen kann. Abgesehen, dass Händewaschen nicht jedermanns und jederfraus Grundbedürfnis ist, lohnt sich ein Blick auf diese Krankenhauskeime, weil er verdeutlicht, dass sich bessere Hygiene nicht nur in Bezug auf das Coronavirus auszahlt.

Paradox erscheint allerdings, dass mit dem Einsetzen der Corona-Pandemie auch die Infektionen mit den multiresistenten Erregern deutlich gestiegen sind – doch das lässt sich erklären: Einesteils hat Corona in den Krankenhäusern erhebliche Personalressourcen gebunden, andererseits kamen mehr deutlich geschwächte Patienten in die Krankenhäuser und mussten dort typischen Übertragungswegen wie etwa über Beatmungsgeräte ausgesetzt werden.

Multiresistente Krankenhauskeime: das Beispiel MRSA

Im Mittelpunkt steht das Bakterium Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus, kurz MRSA genannt. Der Name leitet sich von der Resistenz gegen das Antibiotikum Methicillin ab, auch gegen die allermeisten anderen Antibiotika entwickelt sich eine Unempfindlichkeit. Einen umfassenden Blick auf die Problematik der multiresistenten Krankenhauskeime und weiterer Infektionen in Krankenhäusern hat Zeit Online geworfen.

Für Gesunde, etwa Besucher im Krankenhaus, sind MSRA-Risiken eher gering – zum Glück, denn grob gesagt rund 20 Prozent der Deutschen tragen MSRA auf der Haut, übrigens auch viele Tiere. Hintergrund: MSRA ist hochansteckend, dabei ist allerdings zwischen einer Besiedlung mit dem Keim und der eigentlichen Infektion unterschieden werden. Zur Infektion kommt es, wenn MSRA über die Schleimhäute oder Wunden in den Körper gelangt.

Multiresistente Keime auch außerhalb von Krankenhäusern

Zwar ist der häufigste Übertragungsweg von Mensch zu Mensch, doch kann MRSA auf nichtbiologischen Flächen, etwa auf Türklinken oder Haltegriffen in öffentlichen Verkehrsmitteln, sechs Monate lang oder sogar noch länger überleben. Es muss aber gesagt werden: Für Gesunde bringt normaler Kontakt zu einem MSRA-Träger – wie etwa die Hand zu geben oder eine Umarmung – nur ein sehr geringes Übertragungsrisiko mit sich, Hygiene wie häufiges Händewaschen allerdings vorausgesetzt. Die Kassenärztliche Vereinigung Berlin hat ein sehr gut aufbereitetes Informationsblatt zum Thema MRSA und zum Umgang damit durch Patienten und Angehörige erstellt.

Besondere Risiken im Krankenhaus

Anders bei Krankenhauspatienten: Hier ist nicht nur häufig das Immunsystem bereits geschwächt, sondern der Keim findet im medizinischen Umfeld leichter Wege in den Körper, denkt man etwa an Spritzen, Infusionen, die Beatmung oder Operationen. Um die Keimbelastung in Gesundheitseinrichtungen möglichst gering zu halten, sollten von Besuchern die hier gebotenen Desinfektionsmöglichkeiten – in vielen Bereichen stehen die entsprechenden Spender – besonders intensiv genutzt werden.

Doch auch mit technischen Maßnahmen wird gegen die Krankenhauskeime, zu denen neben MSRA auch VRE, ESBK und weitere gehören, angegangen. Gerade infektionsträchtige Instrumente und Gerätschaften müssen nicht nur gereinigt, sondern zudem desinfiziert werden. Zur Anwendung gelangt dabei oft die thermische Desinfektion in der Steckbeckenspüle zur Vermeidung von Infektionsrisiken, denen Beschäftigte und Patienten sonst ausgesetzt wären.

Schließlich geht es ja nicht nur um die multiresistenten Keime, denn auch andere krankheitsrerregende Mikroorganismen müssen im Schach gehalten werden. Zu denken ist dabei neben den Bakterien etwa an Viren, Pilze und Sporen oder auch Parasiten.

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  • Quelle: Thomas Beier | Grafik: geralt / Gerd Altmann, Pixabay License
  • Erstellt am 18.03.2022 - 08:04Uhr | Zuletzt geändert am 18.03.2022 - 09:12Uhr
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