Studenten der Brandenburgischen TU kritisieren Wasserkonferenz Lausitz

Studenten der Brandenburgischen TU kritisieren Wasserkonferenz Lausitz Cottbus / Chóśebuz | Senftenberg / Zły Komorow, 10. Juni 2021. Fridays for Future Cottbus und das Studentenparlament (StuPa), das sich inzwischen "Studierendenparlament" nennt, haben der Leitung der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg (BTZ) gemeinsam mit Jugend- und Naturschutzorganisationen einen offenen Brief geschrieben, in dem sie sich gegen die Relativierung des menschengemachten Klimawandels aussprechen.

Die beiden Lausitzen im Umbruch: Gelingt der Strukturwandel?

Archivbild: © Görlitzer Anzeiger

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Im Ton vergriffen

Auf der im März 2021 an der BTU durchgeführten 1. Wasserkonferenz Lausitz wurde der abschließende Vortrag von Dr. Christoph Gerstgraser gehalten, Vorstandsmitglied des Wasser Clusters Lausitz e.V., der in einer gemeinsamen Mitteilung von Fridays for Future (FFF), Stupa und des BUNDjugend Brandenburg als "Vorfeldorganisation der Kohleindustrie" bezeichnet wird. Nach Darstellung in dieser Mitteilung vertrat Dr. Gerstgraser die These, dass der Anteil des Menschen am Klimawandel nicht ausreichend erforscht sei und dieser auch überwiegend auf Einflüsse außerhalb der Atmosphäre, die sogenannten Milanković-Zyklen, zurückzuführen sein könnte.

"Es kann nicht sein, dass ein kohlefreundlicher Verein unsere Uni für seine Zwecke nutzt und den anthropogenen Klimawandel in Frage stellt, unwidersprochen von der damals anwesenden Unileitung", kritisiert BTU-Student Anton Kröber von BUNDjugend Cottbus und FFF Cottbus. Die Initiatoren des offenen Briefes fordern jetzt die Universitätsleitung auf: "Veröffentlichen Sie eine Stellungnahme, in der Sie sich als Universitätsleitung von den Aussagen von Herrn Dr. Gerstgraser distanzieren sowie die Relativierung des menschengemachten Klimawandels in den Räumlichkeiten Ihrer Universität verurteilen und die getätigten Aussagen richtigstellen."

Laut Pressemitteilung haben das Büro Dr. Gerstgraser und andere Vorstandsmitglieder des Wasser Cluster Lausitz e.V. wie die LEAG-Tochter GMB erst Anfang des Jahres vom Bundesumweltamt einen Zuschlag für eine millionenteure Untersuchung der wasserwirtschaftlichen Folgen des Kohleausstiegs in der Lausitz erhalten.

Wortlaut des offenen Briefes vom 9. Juni 2021*)

Sehr geehrte Frau Präsidentin Prof. Dr. p.h. Gesine Grande, Sehr geehrte Hochschulleitung,

am 12. März 2021 fand an der BTU Cottbus-Senftenberg die „1. Wasserkonferenz Lausitz“ statt, die auch Sie, Frau Präsidentin, mit einem Grußwort eröffnet haben. Veranstalter der Wasserkonferenz war der Wasser-Cluster Lausitz e.V., dessen Vorstand unverkennbar von Mitarbeitern und Auftragnehmern der Braunkohlenwirtschaft geprägt ist. Bedenklich ist aus unserer Sicht zudem, dass das Podium doch sehr einseitig besetzt war und keine anerkannten Naturschutzverbände oder bedeutenden Akteure der Klimafolgenforschung (z.B. PIK) zu dieser Thematik eingeladen waren.

Mit Dr. Christoph Gerstgraser hielt ein Vorstandsmitglied des Wasserclusters den abschließenden Vortrag und vertrat dabei die These, dass der Anteil des Menschen am Klimawandel nicht ausreichend erforscht sei und dieser auch überwiegend auf Einflüsse außerhalb der Atmosphäre, die sogenannten Milanković-Zyklen zurückzuführen sein könnte.

Diese These hat eine Studentin der BTU nicht hingenommen, da sie im Widerspruch zu dem im Studium an derselben Universität vermittelten Wissen steht. Sie hat den renommierten Klimaforscher Stefan Rahmstorf in dessen Blog um eine Bewertung gebeten, der klarstellte, dass es sich dabei schlichtweg um „Unsinn“ handelt;
https://www.kein-tagebau.de/index.php/de/themen/lobbykritik/703-klimaskeptische-aussagen-bei-tagung-an-der-btu-cottbus

Wir finden diesen Vorgang erschreckend und in keiner Weise akzeptabel:


    • Es kann nicht sein, dass im Audimax der BTU Cottbus- Senftenberg der menschengemachte Klimawandel relativiert wird ohne öffentliche Gegenrede z.B. der Moderation

    • Es kann nicht sein, dass es von einer einzelnen engagierten Studentin abhängt, ob das von seriösen Klimaforscher richtiggestellt wird!

    • Es kann nicht sein, dass die Veranstalter von der Universitätsleitung hofiert werden!

Wir fordern Sie als Leitung der Universität auf:


    • Veröffentlichen Sie eine Stellungnahme, in der Sie sich als Universitätsleitung von den Aussagen von Herrn Dr. Gerstgraser distanzieren sowie die Relativierung des menschengemachten Klimawandels in den Räumlichkeiten Ihrer Universität verurteilen und die getätigten Aussagen richtigstellen.

    • Kontaktieren Sie dazu auch alle Teilnehmer der Wasserkonferenz, um den wissenschaftlichen Ruf der BTU zu retten!

    • Beenden Sie jede Zusammenarbeit der BTU mit dem Wasser Cluster Lausitz e.V., wenn dieser sich nicht ebenfalls von oben genannten Aussagen distanziert!

    • Achten Sie bei zukünftigen Veranstaltungen an der BTU, insbesondere solchen, die Umweltthemen betreffen, auf eine ausgewogene Besetzung, die Naturschutzverbände und Klimaforscher mit einbezieht und gleichzeitig den Einfluss von bergbaunahen Akteuren in einem angemessenen Rahmen hält.

Mit freundlichen Grüßen

im Original gezeichnet
mit den Logos von Fridays for Future Cottbus, Fridays for Future Senftenberg, StuPa Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg, BUNDjugend Brandenburg Cottbus, Greenpeace Cottbus, Linksjugend Lausitz, Grüne Jugend Lausitz, Jusos Cottbus



*)
Gendersprachliche Sprachverformungen wurden aus dem Text redaktionell entfernt: Es gibt keinen Grund, stets und ständig darauf hinzuweisen, dass Menschen unterschiedlichen Geschlechts sind beziehungsweise durch Gendersprache in diskriminierender Weise darauf, dass auch Frauen und diverse Geschlechtsformen ebenfalls Menschen sind.

Mehr dazu im Görlitzer Anzeiger vom 29. Mai 2029:
Nicole Quint: Ans Gängelband der Grammatik?



Kommentar:

"Es eifre jeder seiner unbestochnen von Vorurteilen freien Liebe nach!", so Lessings weiser Nathan. Das muss man auch jungen Leuten zugestehen, allerdings eben frei von Vorurteilen. Aber darum geht es nicht. Bezeichnet ist vielmehr die im offenen Brief enthaltene Aussage (Zitat): "Diese These hat eine Studentin der BTU nicht hingenommen, da sie im Widerspruch zu dem im Studium an derselben Universität vermittelten Wissen steht." Oha, eine Lehrmeinung als Postulat? Wissensvermittlung statt Hinterfragen und Denken?

Hält man vor Studenten einen Vortrag, dann fällt tatsächlich auf, dass die allermeisten bemüht sind, möglichst viel mitzuschreiben. Ist das eine Folge des verschulten Systems? Wohl eher einer Kultur, deren wichtigster Aspekt es ist, nichts falsch zu machen. Diese Generation fasst gerade Fuß in Wirtschaft und Verwaltungen. Stromlinienförmig angepasst selbst im vermeintlichen Protest, bloß nichts falsch machen bei dem, was die eigene Blase für Konsens hält, lieber Lehrmeinungen übernehmen als eigene Gedanken zu entwickeln. Kein Wunder, dass die Gendersprache besonders im Hochschulbereich Blüten treibt.

Die blasse Argumentation kommt mit einem mehrfachen "es kann nicht sein" zu Fakten zum Ausdruck, die Realität sind. Was außerdem aufstößt, ist der Anweisungston: "Kontaktieren Sie... Beenden Sie... Achten Sie..." – geht's noch? Wie wäre es mit Formulierungen wie "Unsere Meinung dazu ist, dass..." und "Für angemessen würden wir halten wenn jetzt...".

Militaristischer Tonfall und demokratischer Diskurs passen nicht zusammen, ebenso wenig wie die ständige naseweise Bewertung von Leuten und Einrichtungen durch unreife, aber selbstbewusste Leute,

meint Ihr Thomas Beier

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  • Quelle: red | Foto: © Görlitzer Anzeiger
  • Erstellt am 10.06.2021 - 11:25Uhr | Zuletzt geändert am 21.06.2021 - 09:32Uhr
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