Mahnmal für die Todesopfer am Eisernen Vorhang

Mahnmal für die Todesopfer am Eisernen VorhangCottbus / Chóśebuz, 6. November 2020. Morgen um 14 Uhr weiht das Menschenrechtszentrum Cottbus ein Mahnmal für die Todesopfer an den Grenzen des Eisernen Vorhangs und der Berliner Mauer ein. Das Menschenrechtszentrum im ehemaligen Zuchthaus, in dem die "DDR" politische Gefangene einsitzen ließ, startete bereits am 13. August 2011, dem 50. Jahrestag des Baus der Berliner Mauer, die Gedenkaktion "Ein Ziegel für ein Maueropfer".

Blick aus dem Hafthaus auf die Arbeitshallen: "DDR"-Häftlinge wurden als Billigst-Arbeitskräfte ausgebeutet

Foto: © Görlitzer Anzeiger

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Geld für die Steine ist gespendet / Einladung

Tausende Bürger der DDR versuchten nach dem Mauerbau zu Land, zu Luft und zu Wasser in die Freiheit zu gelangen. Vielen gelang die Flucht, andere scheiterten und mussten mehrere Jahre ihres Lebens in den Gefängnissen der DDR verbringen. Hunderte Fluchtwillige mussten jedoch ihr Leben an der Berliner Mauer, der innerdeutschen Grenze, in der Ostsee oder an den Grenzen osteuropäischer Länder lassen. An diese Menschen möchte das Menschenrechtszentrum genau an jenem Ort gedenken, der früher das Republikfluchtgefängnis der DDR schlechthin war und heute von ihm als Gedenkstätte betrieben wird. Dieter Dombrowski, Vorsitzender des Vereins und selbst am 13. August 1974 zu vier Jahren Gefängnisstrafe wegen Republikflucht verurteilt, erklärte dazu: "Die Todesopfer an der innerdeutschen Grenze und den Grenzen des Eisernen Vorhangs dürfen nicht vergessen werden und sollen uns eine Mahnung sein."

Zahlreiche Bürger konnten seit dem 13. August 2011 einen Ziegel mit dem eingebrannten Namen eines Todesopfers für 20 Euro spenden. Aus diesen Ziegeln hat Gino Kuhn auf dem Gelände der Gedenkstätte Zuchthaus Cottbus die Umrisse der "DDR" nachgebildet. Kuhn hat eine sehr persönliche Beziehung zum neuen Mahnmal, denn er musste als westdeutscher Fluchthelfer wegen "staatsfeindlichen Menschenhandels" für knapp zweieinhalb Jahre die Gefängnisse der "DDR" kennenlernen. Bereits am 10. Dezember 2011, dem Internationalen Tag der Menschenrechte, konnte der erste Abschnitt des Mahnmals mit den Opfern an der Berliner Mauer eröffnet werden. 2017 wurde ein nächster Abschnitt mit Namen der Todesopfer an der innerdeutschen Grenze abgeschlossen werden. Nun kann das Mahnmal in der Gedenkstätte Zuchthaus Cottbus mit den neuesten Erkenntnissen von Forschern der Universität Greifswald über die "Todesfälle bei Fluchtversuchen über die Ostsee" und anderer Forscher über die Todesopfer in Bulgarien beendet werden. Es wird jedoch nicht aller Todesopfer gedacht, sondern lediglich der Menschen, die infolge einer Fluchtabsicht zu Tode gekommen sind.

Insgesamt hatten bis 2017 in den ersten zwei Phasen 272 Einzelspender aus der ganzen Republik und dem Ausland für ca. 200 Todesopfer mit 24.000 Euro die Gedenkaktion unterstützt. Die diesjährige Vollendung des Mahnmals wurde mit freundlicher Unterstützung der Beauftragten des Landes Brandenburg zur Aufarbeitung der Folgen der kommunistischen Diktatur, Dr. Maria Nooke, ermöglicht.

Im Anschluss an der Einweihung des Mahnmals wird ab 14,45 Uhr der Film des dänischen Regisseurs Jesper Clemmensen "Letzte Hoffnung DDR – Vaters tödlicher Irrtum" gezeigt. In diesem Film geht es um die Flucht der Familie Sender über die Ostsee im März 1977. Während der Vater, Hans-Georg und die beiden Töchter vor den Augen von Mutter Ulla und Sohn Christoph ertranken, schafften die Mutter und Christoph Sender die Flucht nach Dänemark. Christoph Sender erzählt in diesem Film von seinen traumatischen Erlebnissen. Ab 16 Uhr findet eine Podiumsdiskussion über "Fluchten aus der DDR mit tödlichem Ausgang" statt. Zu Gast vor Ort im Menschenrechtszentrum Cottbus werden Christoph Sender und Dr. Maria Nooke sein. Live via Internet sind der Regisseur, Jesper Clemmensen, sowie Merete Peetz vom Forschungsverbund "Todesfälle bei Fluchtversuchen über die Ostsee" dazugeschaltet. Die Moderation übernimmt Peter Keup, Historiker im Menschenrechtszentrum Cottbus.

Interessierte Bürger – Besucher sind herzlich willkommen! – können die Veranstaltung sowohl als Präsenzveranstaltung vor Ort auf der Bautzener Straße 140 in 03050 Cottbus als auch ab 14.45 Uhr über den YouTube Kanal des Menschenrechtszentrums Cottbus live verfolgen. Die Präsenzveranstaltung findet unter Einhaltung der aktuellen Abstands- und Hygieneregeln statt. Beim Einnehmen und Verlassen des Platzes ist das Tragen einer Atemwegsbedeckung verpflichtend. Gebeten wird um Anmeldung unter Angabe des Namens sowie einer Telefonnummer oder Mailadresse im Sekretariat des Menschenrechtszentrums per Telefon unter 0355 - 29 01 33 11 oder per E-Mail an info@menschenrechtszentrum-cottbus.de.

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  • Erstellt am 06.11.2020 - 08:15Uhr | Zuletzt geändert am 19.11.2020 - 13:27Uhr
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