Sind große Geburtstagsfeiern noch in Mode?

Sind große Geburtstagsfeiern noch in Mode?Weißwasser / Běła Woda | Bad Muskau / Mužakow, 13. März 2019. Früher schienen die Regeln klar: Zu runden Geburtstagen – ab 60 alle fünf Jahre – ließ man es so richtig krachen, zwischendurch wurde mindestens mit nahen Verwandten und engen Freunden gefeiert. Inzwischen hat sich das gewandelt. Was dahinterstecken könnte, hat der Weißwasseraner Anzeiger aufgeschrieben.
Abbildung: Der hofseitige Eingang des Restaurants O'leanders, das unmittelbar an die alte Turmvilla, die heute als Hotel dient, angebaut ist

Drei Gründe für kleinere Feiern

Drei Gründe für kleinere Feiern

Einen Spaziergang entfernt von der Turmvilla liegt das Neue Schloss inmitten des Muskauer Parks

  1. Kleinere Familien:
  2. Wo weniger Kinder großgezogen werden und dazu noch in bezug auf das Alter der Eltern vielleicht im Schnitt fast zehn Jahre Später zur Welt kommen als noch vor wenigen Jahrzehnten, werden die Familien automatisch kleiner.

  3. Höhere Umzugsbereitschaft:
  4. Mehr denn je ziehen die Menschen der Arbeit hinterher, oftmals über hunderte Kilometer weg von der alten Heimat. Da kann die Anreise zu einer Familienfeier schnell zu einer Frage des Aufwands werden.

  5. Ausgeprägtere Individualisierung:
  6. Längst haben die Menschen viel höhere Ansprüche an ihren individuellen Lebensstil entwickelt. Damit einher geht gewöhnlich die Auswahl eines "passenden" Bekanntenkreises, mit dem dann auch gefeiert wird. Die Verwandtschaft kann dann schnell das Nachsehen haben.

Zum Glück sind diese Effekte in ländlich geprägten Regionen noch nicht so sehr ausgeprägt. Da werden vor allem die Geburtstage der älteren Generation zu wahren Familientreffen, auf denen neuen Familienmitglieder – von Partner und Partnerin bis zu den Enkeln und Urenkeln – in den "Familien-Clan" aufgenommen werden. In solchen Familien werden Traditionen hochgehalten, vom Versand einer stilvollen Einladung zum Geburtstag über die große Feier bis hin zur Übernachtung für die Gäste.

In der Region um Weißwasser kann man solche großen Feiern immer wieder im Restaurant O'leander, das zur Turmvilla Bad Muskau gehört, beobachten. Leider ist der gesamte Komplex noch immer geschlossen wegen des Brandes vom 29. Januar 2019, sieht aber seiner Wiedereröffnung entgegen. Für die Wiederaufnahme eines wenigstens teilweisen Hotelbetriebs wird sogar bereits Personal gesucht. Sicher freuen sich die Bewohner der Region und Gäste von weiter her schon darauf, dieses besondere Turmvilla-Flair aus Restaurant, Sitzen im Freien und Übernachtung unmittelbar am Rande des Badeparks, der ein Teil des Fürst-Pückler-Parks Bad Muskau ist, erneut erleben zu können.

Ein besonderes Erlebnis für Geburtstagsgesellschaften in der Turmvilla ist ein Ausflug mit der Schmalspurbahn im offenen Waggon in den Kromlauer Park. Allerdings laufen auch hier zurzeit umfassende Sanierungsarbeiten, Hinweise und Ausschreibungen sind online zu finden.

Bis vor wenigen Jahren waren die Seminarräume der Turmvilla Bad Muskau zudem ein bedeutender Anlaufpunkt für Existenzgründer. Hier wurden Informationen gegeben, die hunderte Gründungsvorhaben prägten. Überhaupt ist es äußerst interessant, sich mit der Lokalgeschichte von Bad Muskau und dem Leben und Wirken des hier im Jahr 1785 geborenen Fürsten Hermann von Pückler-Muskau zu beschäftigen. Immerhin ist ihm neben dem UNESCO-Weltkulturerbe Muskauer Park auch der Branitzer Park bei Cottbus / Chóśebuz zu verdanken.

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  • Quelle: TEB | Fotos: © Weißwasseraner Anzeiger
  • Zuletzt geändert am 13.03.2019 - 13:42 Uhr
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