Wer möchte schon Landei werden?

Wer möchte schon Landei werden?Klein Priebus / Přibuzk | Weißwasser / Běła Woda, 11. August 2018. Ob das den den Durchschnitts-Oberlausitzer aufgeschlossener macht? Eine Agentur mit dem Namen "Blendwerck" (Nomen est omen?), in Klein Priebus geführt von Ex-Berlinern, die sich als "Raumpioniere" bezeichnen und Menschen (sich selbst?) gern in skaphanderähnlichen Schutzanzügen darstellen (als ob sie in der Oberlausitz in unbesiedelter, lebensfeindlicher Umgebung unterwegs wären). Aber vielleicht kommt ja gerade das bei der Zielgruppe gut an: Bei Großstädtern, die zum Umzug in die ländliche Oberlausitz bewegt werden sollen.
Symbolfoto: Das Landleben bietet auch in der Oberlausitz Romantik und Herausforderungen

Was machen die denn da?

Nun denn, der Zweck heiligt die Mittel: Der Vortag des früheren Tags der Republik wird genutzt, um sieben Stunden lang eine "temporäre Raumpionier-Landebahn" in der Hafenstube Weißwasser zu betreiben.

Hier sollen Leute, die sich als "bereits ansässige Raumpioniere" verstehen, auf möglicherweise neue treffen, im Raumpionier-Jargon: Stadtpflanzen sprechen mit Landeiern.

Anspruch wird Programm

Auf der Veranstaltung, so ist angekündigt, werden "Raumpioniere" ihre Geschichten erzählen – Geschichten, die Mut machen sollen, den eigenen Weg zu finden.
  • Dr. Wolf Schmidt von der Mecklenburger AnStiftung und Initiative Neue Ländlichkeit ist Gesprächpartner zum Thema, ob Landleben Luxus ist,
  • der Humangeograph und "Dorfpapst" Professor Gerhard Henkel argumentiert, warum das Dorf gerettet werden muss,
  • Thomas Zschornak ist Bürgermeister von Nebelschütz/Njebjelčicy und berichtet von der erfolgreichen Entwicklung seiner Gemeinde,
  • Matthias Rompe bringt seine Erfahrungen ein, wie man Bauernhofprojekt startet,
  • eine Gesprächsrunde mit Lena Steudtner vom Steudtnerhof, Franziska Schubert vom Lebens(t)räume e.V. (bündnisgrüne Landtagsabgeordnete), Universalgenie Axel Krüger von Machtwort und Prof. Gerhard Henkel gibt Gelegenheit, Fragen zu stellen,
  • Sebastian Krüger von der Kulturbar Hafenstube im soziokulturellen Zentrum TELUX führt durch das teils leerstehende Industriegelände.

Es sollen lokale Initiativen und Immobilien vorgestellt werden, schöner Nebeneffekt: man lernt sich gegenseitig (besser) kennen. Das Veranstaltungsprogramm hat der Weißwasseraner Anzeiger zum Download (ca. 165KB) bereitgestellt. Leider fehlt darin die tRaumpilotin Luna Weineck, die Standortentwicklung in Berlin und in der Oberlausitz sowie seit längerem einen Raumpionier-Weblog betreibt. Sie hatte konzeptionelle Überlegungen angestellt, Kreative aus Berlin temporär oder auf Dauer in die Oberlausitz zu holen und war damit auf Partnersuche gegangen.

Hingehen!
Sonnabend, 6. Oktober 2018, Einlass 13 Uhr, Beginn 14 Uhr,
Hafenstube im Soziokulturellen Zentrum TELUX, Straße der Einheit 20, 02943 Weißwasser.
Der Eintritt ist frei. Parkplätze gibt es auf dem Gelände, der Bahnhof Weißwasser (Strecke Görlitz-Cottbus) ist nur zehn Gehminuten entfernt.

Vorher anmelden!
Bitte bis zum 16. September 2018 mit einer E-Mail an willkommen@raumpioniere-oberlausitz.de. Dazu wird von Blendwerck mitgeteilt: "Achtung, Achtung beim Anmelden: Es werden Daten mitgesandt. Deshalb: Mit der Anmeldung per E-Mail bitte die Datenschutzerklärung zur Kenntnis nehmen. Die Daten werden elektronisch erhoben und gespeichert, dabei aber nur streng zweckgebunden zur Bearbeitung und Beantwortung der Anfrage benutzt." Der Weißwasseraner Anzeiger stellt auch dieses wichtige Dokument zum Download (ca. 174KB) bereit.

Gut zu wissen:
Regionales Catering kommt von "Ein Korb voll Glück" Anja Nixdorf-Munkwitz. Kinder sind willkommen, zwecks Kinderbetreuung bitte mit anmelden.

Und wieder sind Fördermittel im Spiel:
Das Projekt Raumpionierstation Oberlausitz wird durch die Sächsische Staatskanzlei nach der Demografierichtlinie gefördert. Träger des Projektes ist der Bewusst-Sein e. V. in Pommritz, der vom Landkreis Görlitz unterstützt wird. Umgesetzt wird das Projekt durch die Agentur Blendwerck in Klein Priebus.



Kommentar: Wofür die E-Mail kann

Die EU-Datenschutzgrundverordnung hat viele Leute, die Daten von sich preisgeben oder Daten anderer Leute erfassen und verarbeiten, sensibilisiert. Das ist gut – geradezu lächerlich hingegen ist die Flut von mehr oder weniger sinnfreien Datenschutzerklärungen, die – oftmals unkontrolliert übernommen und frisch umgerührt von jemandem, der es genauso gemacht hat – seither auf die Europäer niederprasseln.

Die oben verlinkte Datenschutzerklärung mag als leuchtendes Beispiel dienen. Davon abgesehen, dass in der Datenschutzerklärung keine "vorstehenden" Daten enthalten sind, sorgt die Schuldzuweisung an die E-Mail-Adresse für ein feines Lächeln: "Die E-Mail-Adresse kann nur für den Versand von Einladungen und Informationsmaterial der Raumpionierstation Oberlausitz."

Warum jedoch der Widerruf der Zustimmung zur Nutzung der E-Mail-Adresse zwar "jederzeit" (Und das auch noch mit Wirkung für die Zukunft!), aber nur "rechtzeitig bis 3 Tage vor der Veranstaltung" möglich ist, bleibt wohl für immer ein Klein Pribuser Geheimnis. Als Steuerzahler kann man nur hoffen, dass die Erstellung der Datenschutzerklärung nicht auch noch mit öffentlichen Mitteln bezuschusst wurde.

Ach ja, und den Widerruf bitte nicht an die in der Datenschutzerklärung genannte E-Mail-Adresse schicken, denn die führt ins Internet-Nirwana. Falls beabsichtigt, verwenden Sie bitte die oben genannte Anmelde-Adresse,

empfiehlt ihr Thomas Beier

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  • Quelle: TEB
  • Zuletzt geändert am 11.08.2018 - 07:23 Uhr
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