Veranstaltungen im Menschenrechtszentrum Cottbus

Veranstaltungen im Menschenrechtszentrum CottbusCottbus / Chosebuz, 5. November 2014. Es sind oftmals verrückte Geschichten, die das Menschenrechtszentrum Cottbus ausgräbt oder als Veranstaltung zugänglich macht. Widerstand, der sich vom Dritten Reich durch die "DDR"-Zeit fortsetzt, Schicksale politischer Gefangener, inhaftiert, weil sie selbst nachdachten und sich artikulierten oder einfach nur als abschreckendes Exempel.

Foto: © Görlitzer Anzeiger

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Theater und Kammeroper

Theater und Kammeroper

Weitere Programmpunkte des Menschenrechtszentrums Cottbus.

Theaterstück "Hafthaus"

Der ehemalige Schauspieler und spätere Intendant des Hans Otto Theaters, Ralf-Günter Krolkiewicz, (1955-2010) wurde im Jahr 1984 wegen einiger kritisch-satirischer Gedichte von der Stasi verhaftet und zu 18 Monaten Zuchthaus verurteilt. Nach einem Jahr wurde er in den Westen abgeschoben. Die Vernehmungen fanden in Potsdam in der Lindenstraße statt. Seine Haftstrafe trat er im Zuchthaus Cottbus an.

In der jetzigen Gedenkstätte gibt es nun ein Gastspiel des Berliner theaters 89, das seinen Gefängnisbericht "Hafthaus"auf die Bühne gebracht hat. Ein authentischer Text an authentischem Ort. Das Buch entstand zwanzig Jahre nach dem Strafvollzug, im Jahr 2004. Es erzählt, wie ein junger Schauspieler im Sommer ’84 verhaftet, verhört und verurteilt wird. Seine Aufzeichnungen und Erinnerungen, ergänzt durch Briefe, mit denen er und seine Freundin ihre Liebe zu retten versuchen, ergeben ein berührendes Dokument vom Übergriff des Politischen ins Private aus der Endphase der "DDR".

Es spielen Katrin Schwingel, Johannes Achtelik, Bernhard Geffke, Reinhard Scheunemann und Matthias Zahlbaum.
HAFTHAUS, Spielfassung von theater 89, Musik Jörg Huke, Regie Hans-Joachim Frank, Bühne und Kostüme Anne-Kathrin Hendel, Dramaturgie Jörg Mihan.

Hingehen!
Freitag 7. November, 19.30 Uhr
Gedenkstätte Zuchthaus Cottbus (Menschenrechtszentrum Cottbus)
Bautzener Straße 140, 03050 Cottbus.
Eintritt zwölf Euro, ermäßigt acht. Karten gibt es an der Abendkasse.
Unterstützt von der Brandenburgischen Landeszentrale für politische Bildung.

Kammeroper "Weiße Rose"
Szenen für Musiktheater von Udo Zimmermann

Der Kampf und das Schicksal der Geschwister Hans und Sophie Scholl ist eines der großen Symbole und Beispiele des Widerstandes gegen die Nationalsozialisten aus humanistischer Überzeugung. Zwei junge Menschen, die nicht verfolgt waren, wurden aus innerer Überzeugung, aus moralischem Verantwortungsgefühl zu Gegnern des nationalsozialistischen Systems, bekämpften es und bezahlten dafür mit ihrem Leben. Am 22. Februar 1943 sind sie hingerichtet worden.

Die Kammeroper "Weiße Rose" über die Geschwister Scholl vom Dresdner Komponisten Udo Zimmermann, in den achtziger Jahren die meistgespielte deutschsprachige Oper, macht die Widerstandstat einschließlich des tragischen Ausgangs überzeugend erlebbar als notwendige Folge ihrer Erziehung, ihrer ethischen Fundierung, ihrer Erlebnisse und Träume, ihres Ringens um Wahrheit und ihrem Bemühen, mit tätiger Liebe Position in ihrer Zeit zu beziehen. Das Stück führt uns zu der Frage, was man selbst getan hätte, wenn man damals in einer solchen Situation gewesen wäre. Wie würde man sich in den Entscheidungen der heutigen Zeit zwischen Tatbereitschaft und Opportunismus verhalten?

Die Aufführung in der Gedenkstätte Zuchthaus Cottbus hat einen besonderen historischen lokalen Bezug. Es ist vielfach nicht bekannt, dass es einen Hamburger Zweig der Widerstandsgruppe Weiße Rose gegeben hat. Verbindungsperson zu der Münchener Gruppe war Traute Lafrenz, die eine Zeit lang Freundin von Hans Scholl gewesen ist. Sie stammt aus Hamburg und studierte Medizin in München. Über sie gerieten die Flugblätter der Weißen Rose ab dem 3. Flugblatt nach Hamburg, wo sie Traute Lafrenz in einen Lesekreis aus ihrer alten Schulklasse verteilte. Die Gruppe wurde an die Gestapo verraten und verhaftet. Wegen der Kriegswirren und der Bombardierung von Hamburg wurden neun Frauen von ihnen am 6. November 1944, vor genau 70 Jahren, nach Cottbus eingeliefert.

Traute Lafrenz ist die einzige noch Überlebende von der Gruppe, die mit 95 Jahren in den USA lebt. In Gedenken an ihr mutiges Verhalten und anlässlich des 70. Jahrestages ihrer Einlieferung nach Cottbus wird diese Oper aufgeführt.

Weiße Rose
Szenen für zwei Sänger und Instrumentalisten von Udo Zimmermann nach Texten von Wolfgang Willaschek.
Musikalische Leitung Peter Aderhold
Inszenierung Arnold Schrem
Ausstattung Elke Eckardt
Maske Carolin Spill
Beleuchtung und Ton Eric Hübner
Sophie Scholl Esther Puzak
Hans Scholl Erwin Belakowitsch
Es spielt das Kammerensemble der WANDEROPER BRANDENBURG
Instrumentation: Bernd Wefelmeyer
Aufführungsrechte Breitkopf und Härtel, Wiesbaden

Hingehen!
Aufführungen am Donnerstag, 6. November 2014, und Sonnabend, 8. November 2014, 19 Uhr.
Gedenkstätte Zuchthaus Cottbus (Menschenrechtszentrum Cottbus)
Bautzener Straße 140, 03050 Cottbus.
Aufführungen in Kooperation mit der WANDEROPER BRANDENBURG.
Eintritt zehn Euro, Karten an der Abendkasse.
Mit Unterstützung des Lokalen Aktionsplans der Stadt Cottbus sowie des Bundesprogramms TOLERANZ FÖRDERN –KOMPETENZ STÄRKEN.

"Tischtheater"


Im April 2015 wird die Inszenierung "Das Cottbus-Projekt" in der Kammerbühne, dem ehemaligen Haus der Bauarbeiter, uraufgeführt. Am 9. November 2014 gibt Regisseur und Autor Harald Fuhrmann beim "Tischtheater" im Menschenrechtszentrum Einblick in die Recherchen. Die beiden Theatermacher Harald Fuhrmann und Christiane Wiegand sind seit einiger Zeit in Cottbus unterwegs, um gemeinsam mit Mitgliedern des Schauspielensembles Erinnerungen der Cottbuser Bürger an die Zeit ab 1989 zu sammeln.

25 Jahre sind inzwischen vergangen – ausreichend viele, um viel zu vergessen. Christiane Wiegand und Harald Fuhrmann nutzen die Kraft des Theaterspielens, um dem Gedächtnis mit Lust auf die Sprünge zu helfen. Am 9. November 2014 spielen Heidrun Bartholomäus, Sigrun Fischer und Gunnar Golkowski eine Szene mit dem Titel "Die Vitrine", die auf eine Geschichte einer Cottbuser Bürgerin zurückgeht. Die szenische Aktion dient als emotionaler Katalysator, um mit allen am Tisch Sitzenden ins Gespräch zu kommen und das Erinnern in Tiefen und zu Details zu führen, die dem angestrengten Nachdenken oft verschlossen bleiben.

Fuhrmann und Wiegand sind in den kommenden Wochen mit ihrem "Tischtheater" auch in Schulen, Bibliotheken und Jugendclubs unterwegs. Sie haben bereits bei früheren Projekten im In- und Ausland mit dieser künstlerischen Methode Erfahrungen gesammelt. Im Ergebnis sind Inszenierungen entstanden, deren Textgrundlage ein "Geschichtenteppich" bildet, gewoben aus Erinnerungen. Ähnliches planen beide für "Das Cottbus-Projekt" im April 2015.

Da die Platzkapazität begrenzt ist, wird darum gebeten, sich im Besucher-Service des Staatstheaters in der Galeria Kaufhof Cottbus oder im Foyer des Menschenrechtszentrums Cottbus eine Einlasskarte zu besorgen.

Hingehen!
Sonntag, 9. November 2014, 17.30 Uhr,
Gedenkstätte Zuchthaus Cottbus (Menschenrechtszentrum Cottbus),
Bautzener Straße 140, 03050 Cottbus.
In Kooperation mit dem Staatstheater Cottbus.
Eintritt frei!

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  • Quelle: red | Foto: © Görlitzer Anzeiger
  • Erstellt am 05.11.2014 - 02:40Uhr | Zuletzt geändert am 17.06.2022 - 08:24Uhr
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