Fachleute mit den richtigen Argumenten anwerben

Fachleute mit den richtigen Argumenten anwerbenWeißwasser/O.L. / Běła Woda, 13. September 2021. Von Thomas Beier. Ob nun im Unternehmerverband oder im Kundenkreis: Die Suche nach Fachleuten ist immer wieder Thema. Werden jedoch auch die richtigen Instrumente genutzt?

Abb.: Der nackte Hinweis, man könne sich bewerben, hilft wenig. Arbeitgeber müssen genau überlegen, wodurch sie für gutes Personal attraktiv werden

Bildquelle: Chris B., Pixabay License

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Eine Steuersparmöglichkeit macht Arbeitgeber für Bewerber interessant

Eine Steuersparmöglichkeit macht Arbeitgeber für Bewerber interessant

Viele träumen von der großen Auszeit, etwa einem Jahr ohne Arbeitsverpflichtungen – und erreichen es nie, weil sie nicht wissen, wie man es angehen kann. Dabei könnten Arbeitgeber doch mit Wertguthaben werben, die ein Sabbatical ermöglichen

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Ob nun Ingenieur, Meister oder Facharbeiter – wer Fachleute braucht, möchte oft genug Himmel und Hölle in Bewegung setzen, um mögliche Mitarbeiter oder Mitarbeiterinnen auf sich aufmerksam zu machen und dann auch noch so sehr zu begeistern, dass sie einen Arbeitsvertrag unterschreiben.

Zu diesem Zweck wird das gesamte klassische Werberegister gezogen – vom Schild an der Straße über Annoncen und Flyer bis hin zur Teilnahme an Ausbildungs- und Karrieremessen. Viele Unternehmen suchen den Erfolg im Recruiting, wie man das Anwerben nennt, indem sie auf die Social Media Kanäle setzen und Zeit und Geld auf Facebook, Instagram, TikTok und Co. investieren.

Eine wichtige Rolle spielen auch Jobportale, lokal etwa das handkuratierte jobs-oberlausitz.de, das sich wegen seiner Qualität großer Beliebtheit erfreut. Hier kann man nach freien Stellen suchen, wobei anonymisierte Angebote und solche von Personalvermittlern nicht zugelassen sind, was das Portal von Mehrfacheinträgen befreit. Jedes Stellenangebot enthält zudem eine aussagefähige Beschreibung. Noch recht jung ist der Bewerbermarkt dieses Portals, in dem sich Arbeitssuchende von Arbeitgebern finden lassen können. Mittlerweile gibt es sogar ein Schwesterportal jobs-niederlausitz.de – immerhin existiert dort ein dynamischer Arbeitsmarkt in Senftenberg, um nur ein Beispiel zu nennen.

Aus ihrer eigenen Sicht tun die personalsuchenden Arbeitgeber wohl so ziemlich alles, um zu neuen Beschäftigten zu gelangen. Es ist ja tatsächlich ärgerlich, wenn man Aufträge ablehnen muss oder verliert, weil das “Keine Leute, keine Leute!”-Syndrom grassiert.

Typische Fehler

Natürlich schaut ein potentieller Bewerber darauf, was ein Arbeitgeber denn so alles bietet, wenn man bei ihm anheuert. Leider zeigen sich viele – wohl sogar die meisten – Arbeitgeber an dieser Stelle austauschbar, indem sie vieles versprechen, auf das man sich nicht verlassen kann. So sind oft pauschale Argumente wie ein “freundliches Betriebsklima” und eine “interessante Tätigkeit” zu finden, die durchaus unterschiedlich interpretiert werden können. Anderes wiederum, mit dem geworben wird, ist eigentlich selbstverständlich, etwa wenn mit der Teilnahme an von Lieferanten durchgeführten Schulungsveranstaltungen gelockt werden soll.

Womit aber kann man seine Arbeitnehmer in spe wirklich abholen?

Wie man es besser macht

Bestimmte Rahmenbedingungen kann auch ein Unternehmer nicht ändern. Bei vielen ist das Lohnbudget begrenzt, weshalb sie auf andere Vergünstigungen wie etwa einen Dienstwagen setzen.

Doch die eigentlich interessanten Lockmittel für Fachleute sind weithin unbekannt – wobei Lockmittel nicht für vage Versprechen, sondern handfeste Vorteile steht. Eine für Arbeitnehmer wie Arbeitgeber hochattraktive Möglichkeit sind Zeitwertkonten, auch als Arbeitszeitkonten bekannt. Es darf schon gefragt werden, warum bisher nur so wenige Arbeitgeber dieses beiderseits vorteilhafte Instrument in ihrer Personalwerbung einsetzen.

So funktioniert ein Zeitwertkonto

Auf so einem Arbeitszeitkonto kann eine Arbeitnehmer – wohlgemerkt steuer- und sozialabgabenfrei – ein Wertguthaben aufbauen. Das ist gleich mehrfacher Hinsicht interessant: Ist man in der Blüte seiner Jahre und verdient gut, kann man damit unter Umständen hohe Steuersätze und hohe Sozialabgaben umgehen. Wenn man in einer Lebensphase, in der das Einkommen geringer ist, auf so ein Guthaben zurückgreift, fallen die Abgaben entsprechend geringer aus. Außerdem kann man über die Jahre mit Verzinsung – die Null-Zins-Phase ist nicht für die Ewigkeit – oder Wertzuwachs rechnen.

Aber nicht nur für das Alter – Stichwort Altersteilzeit-Rückstellung – ist ein Wertguthaben geeignet. Wer träumt nicht von einem Jahr Auszeit, Sabbatical genannt? Wer dafür mit einem Wertguthaben spart, senkt die Abgaben aufs Arbeitseinkommen und kann sich für das von einem Arbeitseinkommen freie Jahr aus seinem Wertguthaben, das dann den Charakter einer "Lohnzahlung für keine Arbeit" hat, bedienen.

Aber woher kommt das Geld?

Einbringen kann ein Arbeitnehmer so ziemlich alles, was mit seinem Arbeitsverhältnis in Verbindung steht. Typisch sind etwa Überstundenbezahlungen, Urlaubs- und Weihnachtsgeld oder Prämien. Auch vom laufenden Einkommen kann etwas abgezweigt werden – wie gesagt, bei Einzahlungen auf das Wertguthaben eines Zeitwertkontos erhält man sich völlig abgabenfrei den vollen Bruttolohn. Wer aber darauf verzichtet und versteuertes Geld, von dem zudem bereits die hohen Sozialabgaben abgezogen sind, anspart, ist vor diesem Hintergrund irgendwie nicht sonderlich clever, oder?

Und bei einer Insolvenz?

Zunächst ist es Aufgabe des Arbeitgebers, das Wertguthaben zu sichern. Er kann dazu Vermögensteile, etwa Bankguthaben, Wertpapiere oder Rückdeckungsversicherungen verpfänden. Auch steht es ihm frei, Bürgschaften stellen oder anderweitige Vereinbarungen – etwa mit Unterstützungskassen, Banken oder Versicherungen – zu treffen. Es ist für Arbeitgeber sogar möglich, eigene Gesellschaften zur Auslagerung der Wertguthaben zu unterhalten.

Natürlich will der Arbeitnehmer sein Wertguthaben gesichert wissen. Beruhigend: Im Insolvenzfall ist das Wertguthaben des Arbeitnehmers gesetzlich gesichert. Die Einrichtung, Verwaltung und Insolvenzsicherung kann durch spezialisierte Dienstleister für das Zeitwertkonto übernommen werden. Das macht Sinn, denn der Themenbereich rund um Zeitwertkonten über die Altersteilzeit-Rückstellung bis hin zur betrieblichen Altersversorgung ist für Unternehmer steuer- und sozialversicherungsrechtlich nicht ganz einfach und unterscheidet sich im Detail etwa gerade in den Anforderungen an die Insolvenzsicherung.

Mehr:
Viele weitere nützliche Informationen zum Zeitwertkonto hat ein Verbund von Wirtschafts- und Beratungskanzleien zusammengestellt.

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  • Quelle: Thomas Beier | Abbildung Schild: BayrischeWildsau / Chris B., Pixabay License; Liegender: Wokandapix, Pixabay License
  • Erstellt am 13.09.2021 - 20:45Uhr | Zuletzt geändert am 14.09.2021 - 05:24Uhr
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