Tag der Menschenrechte im Zuchthaus Cottbus

Tag der Menschenrechte im Zuchthaus CottbusCottbus / Chóśebuz, 8. Dezember 2019. Am kommenden Dienstag lädt das Menschenrechtszentrum Cottbus in Kooperation mit der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) anlässlich des Internationalen Tages der Menschenrechte zur einer Veranstaltung zum Thema der Gefängnisseelsorge in der "DDR" am Beispiel des Zuchthauses Cottbus in die Gedenkstätte Zuchthaus Cottbus ein. Ehemalige Insassen hatten ihren Knast im Jahr 2011 selbst gekauft.

Blick aus dem Hafthaus zu den Werkstätten, wo die Gefangenen des SED-Staates mit Zwangsarbeit ausgebeutet wurden. Hier war eine Gehäusefertigung für PENTACON-Kameras untergebracht

Foto: © Görlitzer Anzeiger

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Gefängnisseelsorge in der "DDR"

Gefängnisseelsorge in der "DDR"

In der Dauerausstellung "Karierte Wolken". In der "DDR" konnte man auch verurteilt werden, ohne eine Straftat im heutigen Sinne begangen zu haben. Willkürlich wurden Anklagen zusammengezimmert, allein "staatsfeindliche Hetze" bot genügend Ansatzpunkte

Foto: © Görlitzer Anzeiger

Als Podiumsgäste werden zwei Zeitzeugen über ihre Erinnerungen an die Gefängnisseelsorge sprechen. Einer von ihnen ist der katholische Pfarrer Bernhard Walter aus Forst, der von 1969 bis 1999 den Gottesdienst im Zuchthaus Cottbus gehalten hat. Unter welchen Bedingungen eine geistliche Betreuung der Häftlinge im politischen Haftsystem möglich war, wird er aus seiner seelsorgerischen Sicht berichten.

Der zweite Podiumsgast, Rolf-Joachim Erler, hat eine mehrfache Beziehung zur Gefängnisseelsorge in der "DDR". Als junger Mann war er Mitte der 1970er Jahre selber in Haft im Zuchthaus Cottbus. In seiner Zeit wurde der Gottesdienst im Gefängnis für anderthalb Jahre ohne Begründung abgesetzt. Obwohl er nach seinem Freikauf in die Bundesrepublik Deutschland nicht in die "DDR" einreisen durfte, schaffte er es unter Gefahren und mit Vermittlung einiger kirchlicher Stellen am 28. Juni 1976, den damaligen zweiten evangelischen Pfarrer des Gefängnisses, Dietrich Max, in seinem Haus in Cottbus zu besuchen. Er berichtete ihm von der Situation im Zuchthaus Cottbus. Heute ist Rolf-Joachim Erler selbst Pfarrer im Ruhestand und transkribiert und analysiert derzeit die Predigten, die Pfarrer Max vor den Häftlingen gehalten hat.

Dem Menschenrechtszentrum Cottbus wurden die Predigten durch den Sohn von Pfarrer Max, Michael Max, zur Verfügung gestellt. Dieser hatte sie im Archiv seines Vaters entdeckt. "Die Predigten durften keinerlei politischen Inhalte enthalten oder Bezug zu aktuellen Geschehnissen nehmen. Auch mussten sie 14 Tage vorher zur Zensur bei der Gefängnisleitung eingereicht werden", erinnert sich Michael Max, der ebenfalls zu Gast bei der Veranstaltung sein wird.

Hingehen!
Dienstag, den 10. Dezember 2019, 17 Uhr,
Menschenrechtszentrum Cottbus, Bautzener Straße 140, 03050 Cottbus
Der Eintritt zur Veranstaltung ist kostenlos.

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Menschenrechte im Görlitzer Anzeiger

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  • Quelle: red | Fotos: © Görlitzer Anzeiger
  • Erstellt am 08.12.2019 - 10:12Uhr | Zuletzt geändert am 08.12.2019 - 10:30Uhr
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