Verwaltung als Arbeitsplatzgenerator?

Cottbus / Chóśebuz, 27. April 2019. Die Wirtschaftsregion Lausitz GmbH und die Wirtschaftsinitiative Lausitz e.V. haben bereits im Sommer 2017 in einem gemeinsamen Positionspapier die Forderung aufgestellt, Arbeitsplätze von Bund und Land in der Lausitz anzusiedeln, Ziel: Dem Arbeitsplatzverlust im Bergbau und den Kraftwerken entgegengewirken und jungen Leuten eine Perspektive in der Region eröffnen. Als ein konkretes Beispiel ist damals die Knappschaft genannt worden. Der Vorschlag von Bundesarbeitsminister Heil, bei der Knappschaft in Cottbus bis zu 500 weitere Arbeitsplätze anzusiedeln, geht nun aus Sicht der Wirtschaftsinitiative genau in diese Richtung: "Dieser Vorschlag eröffnet Ausbildungs- und Beschäftigungsmöglichkeiten für junge Menschen, für die sonst kaum Angebote in der Region bestehen."

Kultusministerium nach Cottbus

Genauso begrüßt die Wirtschaftsinitiative Lausitz die Entscheidung der Landesregierung Brandenburg, das Kulturministerium und weitere Dienststellen in Cottbus anzusiedeln. Das sei ein wichtiger Beitrag, um neue und qualifizierte Arbeitsplätze in der Region anzubieten. Gut sei auch, "dass dieser Vorschlag auch von den Repräsentanten der CDU, Prof. Schierack und Dr. Schulze sowie dem Oberbürgermeister Kelch, unterstützt wird".

Die Möglichkeiten machen es möglich

"Die Möglichkeiten der digitalen Kommunikation, auch über Video, werden es möglich machen, die Entfernung zwischen Cottbus und Potsdam zu überbrücken, so wie dies heute schon in vielen Unternehmen und Institutionen üblich ist. Dass sich der Personalrat in Potsdam gegen diesen Vorschlag wendet, ist völlig normal, alles andere wäre verwunderlich", teilte die Wirtschaftsinitiative Lausitz mit.

Die Wirtschaftsinitiative fordert die Lausitzer Institutionen auf, die beiden Vorschläge tatkräftig zu unterstützen, damit sie nicht zwischen Potsdam und Berlin und Cottbus zerredet werden und am Ende nichts passiert: "Das wäre sonst ein riesiger Fehlschlag für die Menschen der Region."


Kommentar:

Ja, was nun – schafft die Knappschaft 500 zusätzliche Stellen, um Tagebau- und Kraftwerksarbeiter ins Büro umzupflanzen, oder gehen dafür woanders 500 Arbeitsplätze flöten? Eins wäre so fatal wie das andere.

Auch das Bestreben, Dienststellen der Landesregierung nach Cottbus zu verschieben, wirft Fragen auf. Woanders fassen Verwaltungen ihre Dienststellen örtlich zusammen, denn kurze Wege sind durch nichts zu ersetzen. Da hilft auch keine Videokonferenz, die fehlende direkte persönliche Kommunikation wird dadurch nur sehr bedingt ausgeglichen. Unterm Strich sinkt die Effizienz, es wird mehr gependelt, Familien werden auseinandergerissen, möglicherweise entstehen Parallelstrukturen in Potsdam und Cottbus. Wer auf eine "Verwaltungsregion Lausitz" setzt, hat das falsche Pferd gesattelt.

Der Ruf nach Behörden- und Verwaltungsarbeitsplätzen erscheint als Ausdruck der Unfähigkeit, neue Wirtschaftsstrukturen zu etablieren und zu entwickeln. Hierin wäre nicht nur die Zeit, die in Positionspapiere gesteckt wird, besser investiert,

meint Ihr Thomas Beier


P.S.: Anfrage an den Sender Jerewan: "Stimmt es, dass die Lausitz mit Volldampf in das Nach-Kohle-Zeitalter dampft?" – "Im Prinzip ja, aber 80 Prozent des Dampfes werden zum Tuten und Blasen verwendet."


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  • Quelle: red | Kommentar: Thomas Beier
  • Zuletzt geändert am 27.04.2019 - 06:49 Uhr
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