Neue Sportart Magnetangeln: Kann das jeder?

Neue Sportart Magnetangeln: Kann das jeder?Weißwasser/O.L. / Běła Woda, 19. November 2021. Die heimische Region ist bei Anglern seit jeher sehr beliebt, ist die Region um Weißwasser wie auch Sachsen insgesamt doch für seine zahlreichen Seen, Flüsse und Flüsschen über die Grenzen des Freistaats hinaus bekannt. Immer häufiger sind in letzter Zeit sogenannte Magnetangler zu beobachten. Diese sind allerdings keineswegs auf der Jagd nach Fischen.

Abb.: Dieser Angler am polnischen Neißeufer in der Europastadt Görlitz-Zgorzelec sitzt ganz still und wartet also darauf, dass ein Fisch anbeißt. Im Gegensatz dazu müssen Magnetangler den Gewässerboden absuchen.

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Was es mit dem Magneten an der Angel auf sich hat

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Anders, als man zunächst denken mag, ist Magnetangeln keine neue Fischerfangmethode. Vielmehr sind die Angler dabei auf der Suche nach Schätzen der Vergangenheit und Gegenwart. Dazu wird von ihnen ein besonders starker Magnet an einer Leine befestigt und daran über den Grund eines Gewässers gezogen. Sie wollen sich so den Umstand zunutze machen, dass der Mensch schon seit der Römerzeit die meisten seiner Werkzeuge und Waffen aus Eisen gefertigt hat. Wird dieses Metall vom süeziellen Magneten eines solchen Anglers angezogen, kann die Leine eingeholt und det Fund aus dem Wasser geborgen werden.

Dabei können durchaus sehr interessante Gegenstände ans Tageslicht kommen. So würden in früher Zeit vor allem Schwerter rituell in Ufernähe versenkt. Auch wurden zu allen Zeiten die Flüsse und Seen mit Kähnen und Booten befahren, weshalb sich viele Werkzeuge und über Bord gegangene Messer auf dem Grund der Gewässer finden lassen. Mit etwas Glück scheinen hier tolle Funde möglich zu sein. Für das Magnetangeln braucht man übrigens anders als beim klassischen Angeln keinen Angelschein. Gut für die Suche geeignet sind Flussübergänge oder Brücken in Siedlungsnähe, da an historischen Flussübergängen oftmals schon zu alten Zeiten reger Verkehr geherrscht hat. Dort wird man allerdings auch viele nur allzu moderne Hinterlassenschaften finden. So wird hier vor allem Metallschrott wie Eimer, rostige Nägel oder Fahrradteile an dem Magneten haften bleiben.

Naturnahes Angeln erhöht die Chancen

Manche Magnetangler begrüßen das Finden von Schrott sogar, helfen sie doch so dabei, die Natur vor schädlichen Umwelteinflüssen zu befreien. Wer es dagegen besonders auf historisch wertvolle Funde abgesehen hat, der sollte sich besser auf wenig frequentierte Seen in der freien Natur konzentrieren. Hier ist die Chance viel höher, dass noch niemand die Relikte aus der Vergangenheit bemerkt hat. So kann man etwa die ersten Schritte im Magnetangeln mit einem Urlaub am See verbinden und dabei nebenher auch dem ganz normalen Angeln nachgehen. Die Ferien an Sachsens Seen und Gewässern zu verbringen ist schließlich zu jeder Jahreszeit eine gute Idee. Oft kann man hier zudem ein kleines Boot mieten und ist bei seiner Suche nicht auf die Ufer begrenzt.

Vorsicht bei der Suche

Nicht nur in den Städten, auch selbst in den entlegensten Winkeln in der freien Natur sollte die bewegte Geschichte des Landes im Blick behalten werden. So besteht immer die Möglichkeit, beim Magnetangeln auf Hinterlassenschaften aus Kriegszeiten zu treffen. Auch nach langer Liegezeit im Schlamm der Gewässer können Munition und Granaten immer noch scharf und sogar explosibler als im Neuzustand sein. Wer daher einen solchen Fund hinaufbefördert, sollte in jedem Fall samst Magneten vorsichtig wieder auf Grund sinken lassen, die Angel abtrennen und die Fundstelle mit Hilfe der Angelleine markieren. Dann unbedingt die Behörden verständigen, so ist man auf der sicheren Seite und bekommt wohl auch seinen Magneten wieder. Wer darüber hinaus Interesse an den Zeugnissen der Vergangenheit mitbringt und den Aufenthalt in der heimischen Natur schätzt, der wird mit dem Magnetangeln vielleicht ein neues Hobby finden.

Denkmalschutz beachten

Unbedingt zu beachten sind dabei die Denkmalschutzgesetze der einzelnen Bundesländer und die darin vorgegebenen Melde- oder Ablieferungspflichten. So regelt etwa § 20 des Sächsischen Denkmalschutzgesetzes gleich im ersten Satz: "Wer Sachen, Sachgesamtheiten, Teile oder Spuren von Sachen entdeckt, von denen anzunehmen ist, dass es sich um Kulturdenkmale handelt, hat dies unverzüglich einer Denkmalschutzbehörde anzuzeigen." Um Ärger mit einer Denkmalschutzbehörde zu vermeiden, empfiehlt es sich, diese über seine Magnetangelpläne zu informieren. Einesteils gibt es Grabungsschutzgebiete, andereseits findet sich im 2. Absatz des § 14 des genannten Gesetzes der Satz: "Nachforschungen, insbesondere Grabungen, mit dem Ziel, Kulturdenkmale zu entdecken, bedürfen der Genehmigung der zuständigen Fachbehörde."

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  • Quelle: red | Foto: © BeierMedia.de
  • Erstellt am 19.11.2021 - 08:32Uhr | Zuletzt geändert am 19.11.2021 - 09:26Uhr
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