Glaubenskriege an der Endgeräte-Front

Glaubenskriege an der Endgeräte-FrontWeißwasser/O.L. / Běła Woda, 10. Februar 2022. Von Thomas Beier. Geht es um Handys, Computer und Software, so kann man sich manchmal des Eindrucks nicht erwehren, es herrsche ein regelrechter Glaubenskrieg.

Abb.: Ohne Laptop und Smartphone? Das geht gar nicht

Foto: Mikayla Mallek, Unsplash License (Bild beschnitten)

Anzeige

Viele Entscheidungen für Geräte, Betriebssysteme und Software sind eher irrational und dennoch verfestigt

Vor allem ziehen sich die Frontlinien zwischen den einzelnen Herstellermarken, den beiden verbreiteten Handy-Betriebssystemen und der Standard-Software hin. Die allermeisten "Normal-Nutzer" können ihre jeweilige Kaufentscheidung kaum sachlich begründen, offenbar spielen Sympathie und die Orientierung an anderen eine entscheidende Rolle.

Standardsoftware: Herstellergebunden oder Open Source?

Bei der Standardsoftware, vor allem bei den Büroanwendungen, ist es so, dass die einen auf Microsoft Office schwören, während andere kostenlose Office Pakete mit offenem Quellcode, sogenannte Open Source Pakete, bevorzugen. Der Leistungsumfang ist durchaus vergleichbar – und dennoch: Beide Seiten bringen gewichtige Argumente zu ihren Gunsten in die Diskussion ein.

Immerhin hat Microsoft sein Office Paket als Quasi-Standard etabliert und wer es kauft, weiß sehr genau, was er bekommt. Das macht diese Software vor allem für Institutionen, Behörden, Unternehmen und beispielsweise Bildungseinrichtungen attraktiv, was die Software gerade Schüler und Studenten naheliegend erscheinen lässt. Diese erhalten mit den Home-Paketen, die auch für Privatanwender gedacht sind, einen Preisvorteil. Dass die Office Pakete von Microsoft nunmehr auch für Mac Rechner verfügbar sind, dürfte ihnen weitere Nutzer bescheren.

Für andere wiederum stehen der Community-Gedanke und Kostenaspekte im Vordergrund, wenn sie sich für eines der Open Source Pakete entscheiden. Trotzdem haben es die Microsoft-Programme geschafft, mit der Kurzform ihrer Bezeichnung zum Gattungsbegriff zu werden: So sprechen viele beim Gedanken an ein Textverarbeitungsprogramm einfach nur von Word, bei einer Präsentation gleich von PowerPoint oder in Bezug auf die Tabellenkalkulation von Excel. Bekannte Gattungsbegriffe aus anderen Branchen sind etwa Jeep für Geländewagen oder Fön für Haartrockner und auch bei der Frage "Hast Du mal ein Tempo für mich?" weiß jeder sofort, was gemeint ist.

Das Betriebssystem, eine Bekenntnisfrage

Während die Betriebssystemfrage beim Personal Computer – dem persönlichen Computer – für viele zugunsten von Microsoft Windows – wobei Apple sich stark behauptet – entschieden ist, stößt der argumentative Schlagabtausch unter den Hardcore Fans der Handywelt weiterhin auf Interesse: Für die Freaks des iOS-Betreibssystems von Apple etwa zählt vor allem die übersichtliche, einfache und zuverlässige Bedienung, dagegen heben die Anhänger der Android-Welt von Google deren größere Softwarevielfalt hervor. Auch hier ist die Entscheidung zugunsten eines Betriebssystems sicherlich eine Frage ganz persönlicher Prioritäten. Dazu zählt allerdings auch die Anpassung an Freunde und Kollegen, nämlich daran, welchen Handytyp und welches Betriebssystem diese bevorzugen. Vergessen werden darf auch nicht: Für viele ist das Handy ein Statussymbol ersten Ranges. Dabei geht es nicht einmal unbedingt um die neueste Software, sondern um das neueste Modell.

Schaut man sich die einzelnen Handymodelle an, ist für viele der Hersteller entscheidend. Auswahl gibt es in der Android-Welt, so dass die entscheidende Frage oft lautet: Apple oder nicht? Andere wiederum schauen eher auf die technischen Leistungsdaten. Dazu gehört etwa, ob eine Gerät bereits mit dem 5G-Mobilfunknetz umgehen kann, wie leistungsfähig der Prozessor ist, wie groß der Speicher oder wie gut die Bildqualität der Fotos und Videos ist. Immerhin werden professionelle Filme bereits mit Handys gedreht. Dabei wird das, was eigentlich nur ein lichtstarkes Objektiv mit längerer Brennweite bewirken kann, etwa eine geringere Schärfentiefe, durch Rechenleistung ersetzt.

Wie wichtig sind die Herstellermarken?

Bei Personal Computern, also dem klassischen PC, Laptop oder Notebook, scheint die Herstellermarke nicht mehr so wichtig wie noch vor wenigen Jahren. Das ist jedoch nur eine ganz persönliche Wahrnehmung. Vielleicht spielt ja eine Rolle, dass unterschiedliche Hersteller durchaus bei den gleichen Komponentenfertigern, also Zulieferern, einkaufen und der Markenkern verwässert wird, weil die einzelnen Geräte in ihren Parametern einander immer ähnlicher werden.

Bei Handys hingegen scheint der Hersteller wichtiger als beim PC, denn nicht ohne Grund sagt man "das Samsung", "das Apple" oder, um noch ein Beispiel zu haben, "das Xiaomi". Aber natürlich steht im Hintergrund die Entscheidung für ein Betriebssystem und andererseits für den Prestigewert eines Gerätes.

Unterm Strich

Für Endverbraucher, Unternehmen und weitere Softwareanwender ist es in vielen Fällen egal, was selbsternannte oder tatsächliche Experten empfehlen. Hier kommt es eher darauf daran, die eigenen Prioritäten wirklich zu kennen. In der Arbeitswelt allerdings wird von Privatpersonen bei Stellenausschreibungen immer wieder der sichere Umgang mit den Programmen des Microsoft Office Pakets erwartet. Dann ist im Vorteil, wer den Umgang mit diesen Programmen gewohnt ist.

Kommentare Lesermeinungen (0)
Lesermeinungen geben nicht unbedingt die Auffassung der Redaktion, sondern die persönliche Auffassung der Verfasser wieder. Die Redaktion behält sich das Recht zu sinnwahrender Kürzung vor.

Schreiben Sie Ihre Meinung!

Name:
Email:
Betreff:
Kommentar:
 
Informieren Sie mich über andere Lesermeinungen per E-Mail
 
 
 
Weitere Artikel aus dem Ressort Weitere Artikel
  • Quelle: Thomas Beier | Foto: Mikayla Mallek, Unsplash License (Bild beschnitten)
  • Erstellt am 09.02.2022 - 22:05Uhr | Zuletzt geändert am 09.02.2022 - 22:53Uhr
  • drucken Seite drucken
Anzeige