Abwasserleitungen austauschen

Abwasserleitungen austauschenWeißwasser / Běła Woda, 3. April 2021. Im Landkreis Görlitz ist die Abwasserfrage im Grunde geklärt, auch wenn aus unterschiedlichsten Gründen in wenigen Fällen hier und da bei dezentraler Entsorgung noch keine vollbiologische Abwasserklärung erfolgt. Ganz vom Tisch sind für private Einleiter die Sanierungsarbeiten damit nicht unbedingt.

Abb.: Ältere Baugrundstücke sind immer wieder für eine Überraschung gut: Hier kam ein Steinzeugrohr zum Vorschein, dessen woher und wohin noch unklar ist

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Nach hundert Jahren könnte die Zeit reif sein

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Besonders die Besitzer älterer Eigenheime, ob sie ihr Abwasser nun selbst entsorgen oder an ein öffentliches Abwassernetz angeschlossen sind, sehen sich gelegentlich mit einem Problem konfrontiert: So manch alte Abwasserleitung – in der Fachsprache Kanalgrundrohr oder kurz KG-Rohr genannt – ist am Ende ihrer Lebensdauer angekommen.

Die Ursachen dafür sind vielschichtig, liegen oft aber im Material der Abwasserrohre: Zwar halten Abwasserleitungen aus Steinzeug – hergestellt werden sie seit 1842 – im Grunde ewig. In der Bundesrepublik wurden sie bis etwa zur Mitte der 1960er, im Osten sogar bis in die 1990er quasi standardmäßig verlegt. Nur Setzungserscheinungen können sie kaum verkraften, allenfalls an den Verbindungsstellen.

Ein weiteres Manko ist die Abdichtung der Rohrverbindung: Zwar sind die ursprünglich dafür verwendeten Teerstricke, die in der Muffe mit einer Lage Ton oder Kalk- bzw. Zementmörtel versehen wurden, angeblich seit Mitte der 1920er Jahre außer Mode, weil sie etwa von Regenwürmern oder Wurzeln durchdrungen werden können, in Ostdeutschland kamen sie jedoch bis in die 1990er Jahre zum Einsatz.

So nimmt es kein Wunder, dass viele Abwasserleitungen aus Steinzeug undicht werden. Im Forum Tiefbau ist die Rede davon, dass nach der Prüfung durch einen Abwasserzweckverband jede zweite Abwasserleitung aus Steinzeug ausgetauscht werden musste.

Gefahr droht auch durch Ablagerungen in der Abwasserleitung selbst. Um diese vorbeugend zu beseitigen kommt in größeren Abwasserdruckleitungen der sogenannte Molch, der mit dem Abwasserstrom durch die Leitung wandert, zum Einsatz. In Wohngebäuden dagegen lässt sich zwar vieles mit einem Hochdruckreiniger, sprich Hochdruckschlauch mit Reinigungskopf, aus den Abwasserleitungen entfernen, doch die Erfahrung zeigt: Der Zeitabstand zwischen solchen Reinigungsaktionen wird immer kürzer.

PE Rohr hat Steinzeug abgelöst

Zeitgemäß sind heutzutage Kunststoffrohre, die zudem Setzungserscheinungen bis zu einem gewissen Maße besser verkraften als Steinzeug. Für Rohre aus Polyethylen (PE) gibt es eine Vielzahl von Formteilen und Bögen, sogar Sonderformteile werden für PE Rohr bei Wavin angeboten. Verbunden werden können die einzelnen Teile mit allen für PE zugelassenen Schweißverfahren. Damit und durch ihre generelle Festigkeit können derartige Leitungen auch als Druckrohre, wie sie nach Pumpstationen nötig sind, verlegt werden.

Die Verlegung selbst erfolgt wie bei Steinzeug im Sandbett. Wenn sie fachgerecht erfolgt, liegt die Nutzungsdauer bei 100 Jahren. Polyethylen ist nicht nur für Abwässer aus Haushalten, sondern auch für Prozesswasser der Industrie geeignet.

Wer PE Rohre in Bezug auf die Umweltfreundlichkeit mit solchen aus Steinzeug vergleicht, ist vielleicht überrascht: Polyethylen gilt im Grundsatz nicht nur als umweltverträglicher als Polyvinylchlorid (PVC) als weiteres für Rohrleitungen verwendetes Material, sondern ist ebenso wie Steinzeug physiologisch unbedenklich. Polyethylen kommt ohne flüchtige Weichmacher aus und lässt sich deutlich einfacher recyceln als manch anderer Plastikwerkstoff. Ein weiterer Pluspunkt ist, dass bei der Herstellung des Kunststoffs der bei Steinzeug notwendige energieintensive Brennvorgang entfällt.

Tipp:
Häuslebauer sollten an die nachfolgenden Generationen denken: Wer Abwasserleitungen nach dem Motto "Nach mir die Sintflut!" einfach unter der Grundplatte des Hauses verschwinden lässt, legt damit den Grundstein für künftige Probleme. Die entstehen übrigens nicht nur durch den natürlichen Verschleiß der Rohrleitungen, sondern auch bei Leitungsbruch. Der Gedanke, dass sich Abwasser unkontrolliert unter dem Haus ausbreitet, dürfte im Falle des Falles für heftige Sorgenfalten erzeugen. Bauherren sollten das Problem rechtzeitig ansprechen und auf bessere Lösungen achten.

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  • Quelle: TEB | Foto: © BeierMedia.de
  • Erstellt am 03.04.2021 - 06:59Uhr | Zuletzt geändert am 03.04.2021 - 07:52Uhr
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