Umweltfreundlicher Onlinehandel

Umweltfreundlicher OnlinehandelWeißwasser/O.L. / Běła Woda, 21. Juni 2022. Sagen wir mal so: Umweltfreundlichkeit ist wunderbar, solange es nicht unbequem wird. Deshalb scheinen Differenzen in Öko-Fragen zwischen Großstadt- und Dorfbewohnern programmiert, nicht nur in Bezug auf die Automobilität.

Abb.: "Lieferanten bitte laut klopfen!", steht auf dem Schild – als ob man es als Zusteller nicht schon schwer genug hätte

Symbolfoto: Super Straho, Unsplash License

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Öko-Vorurteile gegen Online Shops?

Manchen plagt vielleicht das schlechte Gewissen, weil er oder sie Waren bis hin zum Gemüse fast nur noch online bestellt. Ist das im Sinne der Ökologie und Ressourcenschonung überhaupt akzeptabel? Verursachen die vielen Lieferdienste nicht eine fürchterliche Kohlendioxid-Bilanz?

Bei einer Recherche stößt man schnell auf einen Artikel der Verbraucherzentrale, der sich der Frage "Umweltfreundlich im Internet einkaufen – geht das?" widmet. Leider sind die Tipps offensichtlich aus Sicht von Großstadtbewohnern erstellt – wer wirklich in einem abgelegen Dorf wohnt, für den steht die Frage nicht, doch besser einen Händler vor Ort aufzusuchen, möglichst zu Fuß, mit dem Fahrrad oder dem öffentlichen Nahverkehr.

Der Wandel im Einzelhandel geht weiter

Sicher ist es richtig, dass kleinere Händler, die in den ländlichen Räumen vor Ort noch bestehen, durch den Online Handel weiter in die Bredouille geraten. Andererseits wird sich mit Solidaritätskäufen oder jener Studie, ob in kleineren Städten Markthallen etabliert werden könnten, der Wandel im Einzelhandel nicht aufhalten lassen. Mancher Händler, der um sein Ladengeschäft kämpft, wäre besser beraten, sich rechtzeitig lieber selbst Geschäftsfelder im Onlinebereich zu suchen. Der Wandel bringt Erscheinungen mit. die wahrlich nicht schön sind, etwa das Sterben der Dorfkneipen – und das trotz heroischer Bemühungen Einzelner Dorfbewohner und auch -bewohnerinnen, den Bierabsatz auf dem erforderlichen Niveau zu halten.

Onlinehandel mit besserer CO2-Bilanz

Es ist halt schwierig, wenn etwa der hohe Rücksendeanteil bei online gekauften Textilien kritisiert wird, an anderer Stelle aber Mehrwegverpackungen gefordert werden, die ebenfalls wieder mitgenommen werden müssten. Klar kann man alles diskutieren und Verbesserungen zugunsten der Umwelt sind immer möglich, zur Kenntnis nehmen muss man aber: Schon im Jahr 2021 kam eine Schweizer Studie zu dem Ergebnis, dass der E-Commerce eine deutlich bessere Klimabilanz als der stationäre Handel hat. Demnach sei der Kohlendioxidausstoß pro verkauftem Produkt im stationären Einzelhandel gegenüber dem Online Handel mehr als doppelt so hoch, ist einem Beitrag von Florian Wolf, der am 13. April 2021 auf handelsblatt.de erschienen ist, zu entnehmen.

Auf Verbesserungsmöglichkeiten schauen

Anstelle den Online Handel in den Fokus der Kritik zu stellen wären Überlegungen für umweltschonende Liefersysteme im ländlichen Raum angebracht. Es liegt auf der Hand, dass Auslastungs- und Routenoptimierung in Ballungszentren einfacher zu gestalten sind als in dünn besiedelten Gegenden, wo es keinen Sinn ergibt, wenn sich die Fahrer der halbleeren Fahrzeuge der Zustelldienste auf der Landstraße Wettrennen liefern.

Ein weiterer Ansatzpunkt ist die Verpackung für eine Warensendung per Zustelldienst oder Paketservice. Hier sind Vollpappe oder Wellpappe, vorzugsweise aus Recyclingpapieren, das Material der Wahl. Sie können oftmals vom Empfänger weiterverwendet oder auf einfache Weise dem Papierrecycling zugeführt werden.

Tipps:
    • Um als kostengünstige Warensendung anerkannt zu werden, müssen bestimmte Bedingungen eingehalten werden, etwa hinsichtlich Gewicht und Größe sowie zum Inhalt und zum Verschluss der Sendung. Da hilft nur, sich beim jeweiligen Anbieter zu informieren.
    • Außerdem müssen sich Versender über das seit dem 3. Juli 2021 geltende Verpackungsgesetz (VerpackG2) informieren und über das Verpackungsregister LUCID – immerhin drohen Verkaufsverbote und Strafen.
    • Die EU-Kommission plant zudem mit einer neuen Verpackungsverordnung, deren Entwurf noch im Juli 2022 vorliegen könnte, die Harmonisierung in der EU weiter voranzutreiben.

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  • Quelle: TEB | Foto: Super Straho, Unsplash License
  • Erstellt am 21.06.2022 - 19:35Uhr | Zuletzt geändert am 21.06.2022 - 20:43Uhr
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