Mit den Händen arbeiten

Mit den Händen arbeitenWeißwasser/O.L. / Běła Woda, 16. Dezember 2021. Von Thomas Beier. Aus der Region Weißwasser dringt wenig Berichtenswertes vor bis in die Redaktion des Weißwasseraner Anzeigers. Ja, ein Discounter macht Weihnachtszauber – gähn. Da scheint es interessanter, anstelle vom spätabendlichen Austausch von Grüßen und Wünschen zwischen Fuchs und Hase lieber noch etwas aus der Welt der Ausbildung in technischen Berufen zu berichten.

Abb.: In bestimmten Legierungen kann Aluminium geschweißt werden

Foto: Emir Krasnić, Pixabay License

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Einen Beruf lernen, von dem man lebenslänglich zehrt

Einen Beruf lernen, von dem man lebenslänglich zehrt

Werkstück aus Aluminium Druckguss zur spanabhebenden Weiterbearbeitung

Symbolfoto: Ralf, Pixabay License

Wer heute vor der Berufswahl steht ist gut beraten, sich ein Profil zu suchen, auf das man lebenslänglich aufbauen kann. Doch Vorsicht: Auch in auf dem ersten Blick zukunftssicheren Berufen – frei nach dem Motto "Wird immer gebraucht!" – kann ein Großteil des Wissens wertlos werden, wenn man nicht am Ball bleibt.

Präzision – ein Thema für Mensch und Maschine

Unter Werkzeugmachern etwa war vor Jahrzehnten besonders anerkannt, wer "aufs Tausendstel" feilen konnte, etwa einen Stempel für ein hochpräzises Schnittwerkzeug. Diese Genauigkeit von einem tausendstel Millimeter wurde erreicht, indem die Feile mit Kreide eingerieben wurde. Heute machen das Maschinen und Unternehmen werben damit, diese Genauigkeit von einem Mikrometer (µm) oder kurz µ – gesprochen mü – mit Werkzeugmaschinen erreichen.

Dabei geht es im Gegensatz zur Handarbeit mit der Feile oft um hochkomplexe Bauteile, an denen solche Genauigkeiten nur durch hochsteife Maschinen und eine Steuerungssoftware erreicht werden können, die etwa thermische Verformungen einkalkuliert und die exakte Positionierung der Bearbeitungsflächen misst und berücksichtigt.

Superwerkstoff Aluminium

Richtig spannend wird das bei Alumium, einem Superwerkstoff mit spannender Geschichte. Obgleich Aluminium, das als chemisches Element das Symbol Al hat und umgangssprachlich kurz Alu genannt wird, das häufigste Metall in der Erdkruste ist, wurde es erst in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts entdeckt, Ursache: In der Natur kommt Aluminium fast ausschließlich in Verbindungen vor.

Neben Reinaluminium sind vor allem Aluminiumlegierungen mit Kupfer, Mangan, Magnesium sowie mit Magnesium und Zink, Silicium oder Lithium anwendungsrelevant. Das zeichnet das Supermetall Aliminium aus:


    • Aluminiumlegierungen können Festigkeiten im Bereich von Stahl, wie man die Eisenlegierungen nennt, erreichen – und das bei nur einem Drittel der Dichte von Stahl. Das macht Aluminium für den Leichtbau und hier vor allem im Fahrzeugbau interessant.

    • Aluminium bildet an der Luft eine dünne Haut aus Aluminiumoxid, was einen ziemlich perfekten Korrosionsschutz darstellt, insofern man nicht der Versuchung unterliegt, ein Aluminiumteil immer wieder schön blank zu putzen.

    • Aluminium ist ein guter elektrischer Leiter und ein guter Wärmeleiter, was es in vielen Anwendungen zum Ersatzstoff für Kupfer macht.

Neben den genannten gibt es weitere Eigenschaften, die Aluminium und seine Legierungen teils sehr deutlich von den Stählen unterscheiden. Je nach Legierung unterscheiden sich etwa


    • die Korrosionsfestigkeit,
    • der elektrische Widerstand,
    • die Umformbarkeit,
    • die Härtbarkeit,
    • die Schweißbarkeit und
    • die Zerspanbarkeit.

Deshalb benötigt man bei der Anwendung und Bearbeitung des Materials unbedingt Wissen aus der Werkstoffkunde und Erfahrungen. Wer etwa Aluminium mit der Feile bearbeiten möchte wird häufig feststellen, dass es "schmiert" und sich der Feilenhieb schnell zusetzt. Und wer etwa besonders produktiv Aluminium Fräsen lassen möchte, sollte lieber auf Experten setzen, denn: Wer Werkstücke aus Stahl gewohnt ist und auf flotten Vorschub und einen dicken Span setzt, also zu viel zustellt, der kann unter Umständen erleben, dass das Werkstück aus Aluminium weich wird. Einziger Trost: Was in der Ausschusskiste für Aluminium landet, kann vollständig recycelt werden.

Aluminium – die Revolution im Flugzeugbau

Eine besondere Rolle beim Durchbruch der Aluminiumanwendungen spielt eine 1906 entdeckte und ab 1907 als Duraluminium bekanntgewordene Legierung aus im Wesentlichen Aluminium, Kupfer und Magnesium. Als hochfester und aushärtbarer Werkstoff revolutionierte die auch Dural genannte Legierung den Flugzeugbau. Noch heute kann man in Saalberg (heute Zachełmie), reichlich zwei Autostunden südöstlich von Weißwasser/O.L. gelegen, das Haus des Erfinders des Duraluminiums, Alfred Wilm (1869 – 1937), eines Schlesiers, entdecken, der 1919 von Patentstreitigkeiten entkräftet hier Landwirt wurde und Hühner züchtete.

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  • Quelle: red | Foto Schweißer: emirkrasnic / Emir Krasnić, Pixabay License; Foto Werkstück: Waldrebell / Ralf, Pixabay License
  • Erstellt am 16.12.2021 - 16:20Uhr | Zuletzt geändert am 16.12.2021 - 18:25Uhr
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