Weißwasser wird internationaler

Weißwasser wird internationalerWeißwasser / Běła Woda, 1. April 2021. Wer in geordneten Verhältnissen aufgewachsen ist, weiß um die Rolle der Bedeutung. Das mag das Weißwasseraner Stadtmarketing zu einem großen Wurf beflügelt haben, mit dem die internationale Bedeutung der Glasmacherstadt einen gewaltigen Schub erhält.

Abb.: Für den großen Sprung konnten sich die Weißwasseraner schon immer begeistern

Archivbild: © Weißwasseraner Anzeiger

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Intention: "Raus aus der Provinz – wir müssen internationaler werden!"

Schon wegen ihrer Lage auf der Landkarte laboriert die Glasmacherstadt mit einem Identitätsproblem: Einst – von 1952 bis 1990 – zum Bezirk Cottbus zugehörig, entschied sich die Stadt, als die neuen Bundesländer entstanden, für Sachsen. Womöglich spielte dabei auch die frühere Zugehörigkeit zur preußischen Provinz Schlesien eine Rolle, deren in Deutschland verbliebener Restzipfel in Sachsen auf dem Gebiet des Landkreises Görlitz liegt.

Jedenfalls heißt Weißwasser heute amtlich, fast schon etwas trotzig, Weißwasser/O.L. und demonstriert so ihre Zugehörigkeit zur Oberlausitz, dem südlichen Pendant der Niederlausitz. Eine Lausitz als solche gibt es im Grunde nicht, eben nur die beiden Lausitzen. Doch der Stadt Weißwasser hilft das wenig, in welche Himmelsrichtung man auch blickt: Außer Wald und Wölfen ist da wenig, der Zuwachs bechränkt sich vor allem auf Wasserflächen und die Anzahl der Soldaten im Wald und auf der Heide.

Doch auch Wirtschaft ist Heimat. Da gerät natürlich auch ein noch so sehr engagiertes Stadtmarketing irgendwann an seine Grenzen: Woher Investoren nehmen, wenn nicht stehlen? Ein Befreiungsschlag, der den Mief der Provinz ein für allemal vom Winde verwehen lässt, musste her. In Analyseworkshops kristallisierte sich kristallklar heraus, dass der Sprung in die internationale Bedeutungsrolle der Stadt bislang nur an zwei Faktoren scheiterte.

Der erste Problemfaktor ist das "ß" im Namen, ein Zeichen, das eine Eigenheit der deutschen Schriftsprache ist und außerhalb der deutschsprachigen Länder nicht nur Rätsel aufgibt, sondern auf Tastaturen von DIgitalgeräten schlichtweg nicht vorhanden ist und zudem oftmals zu Softwareproblemen führt. Die Lösung ist so naheliegend wie einfach: Die Schreibweise der Stadt wird amtlich in “Weisswasser” geändert, der entsprechende Antrag beim amtlichen Gemeindeverzeichnis des Freistaats Sachsen ist dem Vernehmen nach bereits gestellt.

Bei dieser Gelegenheit soll der Zusatz "O.L.",der weltweit immer wieder zu wilden Spekulationen führt, verschwinden. Was alles – teils gar Ehrenrühriges – wurde da nicht schon hineininterpretiert und frech kolportiert, von "ohne Lust" über "ohne Liquidität" und "ohne Leute" bis "offenbar lasterhaft"! Also weg damit, aber ganz auf einen Zusatz verzichten? Es ist nur zu begrüßen, dass mit "Weisswasser/Intl." nun eine zukunftsweisende Lösung gefunden wurde, eines Flughafens würdig. Ausgeschrieben als Weisswasser/International ist der Name zugleich Programm und Richtschnur des Handelns.

"Nun muss alles international und internationaler werden", hieß es von verantwortlicher Stelle. Fördermittel, die der Sächsische Landtag beschlossen hat, sollen eingesetzt werden, um den Bahnhof der Bahnstrecke Görlitz-Berlin und den der Kleinbahn neu zu beschildern. "Auch wer hier nie aussteigen würde soll sehen, dass sich etwas tut", so die große Hoffnung. Ebenso setzt man auf die Sogwirkung der neuen Straßenwegweiser nach Weißwasser/Intl., etwa am Kreisverkehr an der B 115.

So zeigt sich, dass der Strukturwandel mit guten Ideen entscheidend vorangebracht werden kann.

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  • Quelle: TEB | Foto: © Weißwasseraner Anzeiger
  • Erstellt am 01.04.2021 - 09:45Uhr | Zuletzt geändert am 01.04.2021 - 12:15Uhr
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