Selber schrauben kann teuer werden

Selber schrauben kann teuer werdenWeißwasser / Běła Woda, 7. August 2019. Jeder, der ein Auto fährt, kennt das ungute Gefühl, wenn etwas mit dem Fahrzeug nicht stimmt und es besser wäre, es in eine Werkstatt zu verfrachten. Dort können nämlich – besonders für betagtere Pkw – derartig hohe Reparaturkosten entstehen, dass sie den Wert übersteigen. So ist es in nicht nur in der Lausitz durchaus üblich, den Besuch beim Fachmann ausfallen zu lassen und selbst Hand anzulegen. Gerade im Osten ist man das ja noch aus dem Trabi-Zeitalter gewohnt.
Abbildung oben: Arbeiten an Bremsen und Lenkung gehören in die Hände von Fachleuten

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Kfz-Selbsthilfewerkstätten im Für und Wider

Kfz-Selbsthilfewerkstätten im Für und Wider

Psychologen sagen, der selbst ausgeführte Radwechsel stärke das männliche Selbstbewusstsein

Eine Kfz-Selbsthilfewerkstatt und ein Autoteile-Lieferant sind meist schnell gefunden, wer kurz recherchiert, findet Angebote wie günstige Teile von Autoparts24. Das ist der größte Marktplatz in Europa für gebrauchte Ersatzteile, fast drei Millionen werden dort aktuell angeboten. Doch leider sind unter den Nutzern der DIY-Option nicht nur erfahrene Hobbyschrauber, sondern auch Laien. Dass dies nicht immer gut geht, liegt auf der Hand.

Dabei hält das Internet für fast jede nur erdenkliche Reparatur diverse Vorgehensweisen und Anleitungen parat, egal ob für den bei manchen Autotypen komplizierten Wechsel von Glühlampen oder eben von Öl und sicherheitsrelevanten Teilen wie an den Bremsen. Viele informieren sich im Netz und versuchen anschließend, das Geld für eine Schrauber- oder Fachwerkstatt zu sparen, indem sie selbst die nötigen Arbeiten durchführen. Sogar vor der komplizierten Elektronik der heutigen Fahrzeuge machen sie nicht halt. So bestätigen viele Selbsthilfe-Werkstätten, dass nicht nur alte Autos, sondern ebenso viele relativ neue in diesen repariert werden. Sparen muss heute scheinbar jeder, wie auch die derzeitige Finanzplanung von Weißwasser belegt. Übrigens ist die Elektronik an sich keine große Hürde für die Hobbyschrauber: Es gibt Selbsthilfewerkstätten, die über die nötigen Diagnosegeräte verfügen – aber eben nicht jede.

Die Werkstattbesitzer selbst geben an, dass sie immer wieder erleben, dass von neuen Fahrwerksteilen bis zum kompletten Motorwechsel alles privat gemacht wird. Vorbildlich sind dabei Anbieter, die durch den TÜV geprüft werden sowie über einen Bremsenprüfstand verfügen. Jedoch ist es leider oftmals so, dass die Selbsthilfe-Werkstätten eben nicht regelmäßigen Kontrollen unterliegen und relativ schlecht ausgestattet sind. Das ist nicht zuletzt abhängig vom Betreiber selbst und ob der eine ausreichende Qualifikation für den Kfz-Bereich hat. Merke: Ein solcher Dienstleister muss nicht vom Kfz-Fach sein. Ebenso wenig wird für die Eröffnung ein Meisterbrief verlangt. Im Grunde ist das einem Bestatter ähnlich, dieser kann sich ebenfalls ohne Vorkenntnisse gewerblich anmelden.

Bei der Haftung halten sich die Betreiber ebenso zurück. Es gilt, wer selbst schraubt, muss für Schäden auch selbst aufkommen. So haben es die meisten Anbieter in Ihren Bedingungen stehen. Dementsprechend stellen die Kfz-Selbsthilfewerkstätten üblicherweise lediglich Werkzeug und Hebebühnen, Eigentümer oder Angestellte arbeiten aber sonst nie mit. Damit liegt das, was der Kunde macht, nicht in deren Verantwortung. Insofern haftet der Dienstleister zwar im Falle einer defekten Bühne oder aufgrund von mangelhaftem Werkzeug, nicht aber, weil der Hobbyschrauber etwas falsch einbaut oder beschädigt. Ebenso sieht es aus, wenn ein Ersatzteil vom Betreiber gekauft wird. Dabei haftet dieser zwar für Schäden an dem Ersatzteil, aber nicht für solche, die beim Einbau entstehen.

Schlimm wird es, wenn ein Unfall passiert, der auf eine mangelhafte Reparatur zurückzuführen ist. So wird die Haftpflichtversicherung zwar den Schaden des Gegenübers tragen – die Kaskoversicherung hingegen wird für den eigenen möglicherweise nicht aufkommen. Insofern sollten im Sinne der Verkehrssicherheit Reparaturen nur von fachkundigen Personen durchgeführt werden. Dennoch sind die Selbsthilfewerkstätten eine sinnvolle Ergänzung in diesem Bereich, vor allem für Leute mit technischen Kenntnissen und Fertigkeiten, die zugleich ihre Grenzen kennen.

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  • Quelle: red | Foto ohne Rad: Joenomias / (Joenomias) Menno de Jong, Foto mit Rad: Counselling / Ulrike Mai, beide Pixabay und Lizenz CC0 Public Domain
  • Erstellt am 07.08.2019 - 13:04Uhr | Zuletzt geändert am 07.08.2019 - 14:05Uhr
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