Fotoausstellung "Dunkelkammer Torgau" in der Gedenkstätte Zuchthaus Cottbus

Fotoausstellung "Dunkelkammer Torgau" in der Gedenkstätte Zuchthaus CottbusCottbus / Chóśebuz, 20. Januar 2017. Am 9. Februar 2017 wird Gedenkstätte Zuchthaus Cottbus die Fotoausstellung "Dunkelkammer Torgau" der Fotografin Katrin Büchel eröffnet. Katrin Büchel wurde im Jahr 1981 im Alter von 15 Jahren als eines der vielen Opfer politisch geprägter Entscheidungen zur "Erziehung" Jugendlicher in der "DDR" für fünfeinhalb Monate in einen Jugendwerkhof/Spezialheim und in den geschlossenen Jugendwerkhof Torgau eingesperrt.
Abbildung: Der Holzgestalter Jörg Beier, einst selbst als politischer Gefangener im Zuchthaus Cottbus, am 11. Oktober 2016 mit einer seiner Installationen im Dom zu Brandenburg. Hier wurde an diesem Tag das Menschenrechtszentrum Cottbus e.V. erster Preisträger des Brandenburger Freiheitpreises.

SED-Unrecht belastet Opfer bis heute

SED-Unrecht belastet Opfer bis heute

Ausschnitt aus einer Installation von Jörg Beier.

In dieser Zeit wurde versucht, ihren jugendlichen Willen nach Freiheit und Selbstbestimmung zu brechen und sie unter Druck "sozialistisch" umzuerziehen. Die Verhältnisse in Torgau spiegelten das wahre Gesicht des realen Sozialismus wieder, sie waren erniedrigend, menschenverachtend, unwürdig, von demütigender Gewalt und vom rechtsstaatswidrigen Freiheitsentzug geprägt.

Schon in Torgau fasste Büchel den Entschluss, das unschuldig erlebte Martyrium in authentischer Form festzuhalten und suchte viele Jahre lang nach einer Möglichkeit, sich auszudrücken. Erst seit 2009 verarbeitet mit den Mitteln der Fotografie ihr Trauma und geht damit an die Öffentlichkeit, was bei jeder Ausstellung zu ihrer psychischen Erleichterung beiträgt.

Die ausgewählten Bilder kommen aus der Seele heraus und zeigen ein sensibles Stück Autobiographie. Büchel experimentiert mit unterschiedlichern Medien und nutzt die digitale Bildbearbeitung. Dabei formt sie das fotografische Ausgangsmaterial mit Verfremdungseffekten, teils mit nackten, uniformierten, anonymisierten und isolierten Menschen in einem dreidimensionalen Prozess. "Mit meinen Werken möchte ich eine neue Interpretation der Wirklichkeit, in der auch die klaustrophobischen Zustände des Ausgeliefertseins im Jugendwerkhof dargestellt werden, zeigen", nennt die Fotografin heute ihr Anliegen. Dabei werden die existenziellen Fragen einer ideologisch motiviert verfolgten Jugendlichen zu Leben und Tod, Krankheit und Körper, Beschränkung und Befreiung, Angst und Einsamkeit aufgeworfen.

2013 wurde Katrin Büchel durch das Landgericht Berlin rehabilitiert.

Prädikat: Hingehen!
Donnerstag, 9. Februar 2017, 18 Uhr,
Foyer der Gedenkstätte Zuchthaus Cottbus, Bautzener Straße 140, 03050 Cottbus:
Ausstellungseröffnung "Dunkelkammer Torgau"
Die Ausstellung kann bei freiem Eintritt bis zum 9. März 2017 besichtigt werden.

Die Ausstellungseröffnung wird vom Liedermacher und Facharzt für psychosomatische Medizin, Psychotherapie und Psychoanalyse Dr. Karl-Heinz Bomberg musikalisch begleitet. Dr. Bomberg, der viele traumatisierte Opfer des SED-Unrechts ärztlich betreut, wird darüber hinaus einige Passagen aus seinem Buch "Verborgene Wunden - Spätfolgen politischer Traumatisierung in der DDR und ihre transgenerationale Weitergabe" lesen.

Die Schirmherrschaft hat Ulrike Poppe, die Landesbeauftragte zur Aufarbeitung der Folgen der kommunistischen Diktatur (LAkD), übernommen. Sie wird zur Eröffnung einleitende Worte sprechen.

Mehr aus dem Menschenrechtszentrum Cottbus:
Storytellingprojekt zu Menschenrechtsverletzungen

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  • Quelle: red | Fotos: © Görlitzer Anzeiger
  • Zuletzt geändert am 02.02.2017 - 12:22 Uhr
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